2007 bis heute und ich lerne loslassen – bald werde ich veröffentlichen

An meiner  Denkbar ist alles denkbar (ACR)

An meiner Denkbar ist alles denkbar (ACR)

„Rede mit mir“, fordert sie und meint es aufrichtig. „Habe ich Dich in den letzten Jahren eigentlich nur gut unterhalten oder mich immer unverständlich ausgedrückt?“, fragt er. Sie versteht ihn nicht. „Na siehst Du“, seufzt er.“

(ACR)

„Nun ist das lustige Treiben des Morgens wie eine große Welle in ihre Pläne geschwappt und ergießt sich über das Ufer ihres letzten Lebenstages.“

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„Im Ergebnis ist er teilweise in herabwürdigenden Sarkasmus geglitten, hat Gegebenheiten nach Nützlichem sondiert und Wünsche an realer Erfüllbarkeit orientiert. Ohne abhärtende Erfahrung sei der Mensch gar nichts, mit ihr zwar nicht alles, aber immerhin klüger, redet er sich ein. Mithin forme das Leben seine Dynamik wahrscheinlich aus der Mischung von Betrug und Selbsttäuschung. Da Höhenflüge und Tiefschläge weder geordert noch verweigert werden könnten, nehme er künftig das Leben wie es komme, schneide für sich jedoch fortan die fetten Enden ab. In der Allianz mit seinem auf ihn selbst orientierten Patriotismus findet er zweifelhafte emotionale Unabhängigkeit gegenüber scheinbar Unausweichlichen und ausgerechnet in der Rolle des einsamen Wolfs, was er immer gesucht hat: Sicherheit.
Er macht seine Mission daraus und wird, was er nie sein wollte und jedermann überall werden könnte, ein intolerant selbstgerechter Einzelgänger. Kurz gesagt, ein sozial weitgehend inkompetentes Ekelpaket. Innerliche Akne?“

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„Jene, die seine Nähe ehrlich suchen und sich für ihn interessieren, deuten die wachsame Vorsicht indes als Misstrauen. Aus der Freiheit, ihn kennen zu lernen, wollen sie keinen Kampf um seine Gunst machen. Letztendlich ziehen sie sich zurück, bevor Ludger ihnen entgegenkommen kann. “

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“ Ludger fühlt Verrat und denkt ernsthaft daran, der Härte des Lebens durch Tod zu entfliehen. Ausgerechnet die Grausamkeit der Pubertät begnadigt ihn mitten in der Planung. Sie bündelt barmherzig die Entzündung seiner Talgdrüsen mit ausgeprägter alterstypischer Renitenz. Ludger wird zum Rebell, schlägt mit Worten und Fäusten um sich.“

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„Jeder Abend sieht einen traurigen Clown ins Bett steigen, der mittels weißer Salben und stinkender Tinkturen, die Male des Andersseins verdeckt und Gott mal flehend, mal zornig bittet, er möge ihn einen ganz normalen Menschen sein lassen. Wie zum Hohn stellt jeder Morgen mittels neuer Schwären die Frage, wo der Sinn des Glaubens an ein höheres Wesen verborgen sei.“

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„Der Unbefangenheit der Jugend annähernd beraubt, der Rest von Erwachsenen sorglos geplündert, erlebt Ludger die Zerrissenheit eines unbedacht in den Mittelpunkt gezerrten Ausgeschlossenen. Die pubertäre Akne wuchert nicht nur über Gesicht, Hals, Brust und Rücken, sondern brennt sich wie ein Stigma in ihn. Gemeine Eiterpusteln, Ursprung der bösartigen Witze und Häme, zeichnen das Bild seines äußeren Makels und graben ihm einen Tunnel der Unreinheit ins Bewusstsein.“

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„Du sagtest, ließe ich es zu, würdest Du mich lieben. Wieso liebst Du mich nicht erstmal ganz still ohne meine Zustimmung; und danach sehen wir weiter.“

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„Da jeder Moment des Lebens der Platz zwischen Hypothek der Vergangenheit und Wechsel auf die Zukunft sei, müsse er nur mit der Routine stetiger Wiederholung das Niemandsland der Gegenwart schnell ins Kolorit der Vergangenheit tauchen. Je mehr Vergangenheit, desto weniger Zukunft, je mehr Unbill bereits erlebt, desto weniger stünde bevor. Somit findet Ludger in den leeren Worten der Mutter, die seine Geduld fordern und auf unausweichlich herannahende Erwachsenenjahre ausrichten, erträgliche Logik.“

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„Ludger hat längst einen gewissen Patriotismus sich selbst gegenüber entwickelt und sich zum einzigen Alliierten erkoren. Im Blickwinkel dieses einseitigen Bündnisses, kann er nur die Beziehungsweisen erkennen, die seine Erfahrung zulässt. Ausgerechnet daraus macht der inzwischen Siebzehnjährige seine Regeln. Die Lastenverteilung auf Anderer Schultern hänge nicht von den Schultern, sondern vom Willen der Verteiler ab. Den Schultern bliebe demzufolge nur, die Verteilung solange zu überstehen, bis sie selbst Verteiler werden.“

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„Sie verstecken, jeder für sich, persönlichen Ballast des Alltags voreinander und glauben, dies sei erforderlich und vor allem anständig. So sind sie zu hingabefähigen Helden geworden und übernehmen jede Verantwortung für das Leben des Anderen. Mit der für sich selbst nehmen sie es hingegen nicht so genau. Sie fällt sozusagen unter den Tisch. Kurzum, sie lügen sich gegenseitig die bereits übervollen Taschen in den Überlauf. Bulimisches Verantwortungsverhalten. Jeder für sich allein. Für den Erhalt einer stillen Ehe. Wie opfersinnlos.“

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„Gelänge es den beiden jetzt, zu differenzieren, brächten sie den Mut auf, ihren Blick auf die Chance des Augenblicks zu lenken. Sie sprächen vielleicht aus, was sie schon ewig verschweigen und erzwängen, worauf sie, um des lieben Friedens willen, immer verzichten. Ausweglos in der Forderung eingesperrt, einer unsinnigen Frage eine ehrliche Antwort entgegenzustellen, verlieren sie jedoch die Übersicht und verschleudern eine günstige Gelegenheit. Hilflosigkeit wandelt sich in Zorn, wächst zur Wut und verschließt sich jeder Erkenntnis.“

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„Ludger fühlt sich wie ein Keks, der in Kaffee getaucht, keine Wahl hat, ob er schnell oder langsam zerfällt. Mal wird er waagerecht darauf gelegt und gewinnt Zeit, dann senkrecht nach unten gedrückt und löst sich sofort auf.“

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„Anna erkennt nur langsam: Das Leben wird nicht von Missgeschicken oder dem was Schicksalsschlag genannt wird regiert. Der Mensch unterscheidet sich von allen anderen Lebewesen durch die Fähigkeit, abstrakt denken zu können. Somit bestimmt er eigenständig, ab wann und auf welche Weise er, in eben dieser Fertigkeit, seine Hilflosigkeit aufgibt, Kraft zu schöpfen beginnt und sein Leben nach eigenem Bilde lebt. Die Freiheit, dazu den Zeitpunkt selbst zu wählen, bleibt ihm.“

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„Ihr Lächeln erstarrt zu Eis, stirbt sogleich und beerdigt sich auf ihrem Gesicht. Schweigend, Anna weiß nicht wieso, und wird sich an diesen Zeitpunkt nie erinnern, öffnet sie die Tür komplett und lässt diese beiden Menschen eintreten. Die kommen in ihr Haus und werden alles, was Annas Leben ausmacht, mitgenommen haben, sobald sich die Tür wieder hinter ihnen geschlossen haben wird.“

(ACR)

„Anna unterbricht das Gegacker. Das Verschleudern von Kraft im Streit, wie viel Hausarbeit ein Mann zu übernehmen habe und ob er einer Frau in den Mantel helfen und die Tür aufhalten solle, sei mindestens so unzeitgemäß, wie die Debatte um das Wahlrecht der Frau in Deutschland. „Wäre ich ein Mann, ich würde ihnen die Tür zeigen und die Mäntel hinterherwerfen“, sagt sie. „Sie haben einfach ein schlechtes Benehmen und das vermeindliche Recht darauf ziehen sie allein aus der Tatsache, weiblich zu sein.“ Alle schauen sie an. Sie schüttelt sich, sagt „Böse Weiber“, und wendet sich wieder ihren Unterlagen zu. “

(ACR)

„Anna und Georg bemerken zu spät, es ist unmöglich, nicht erfüllenden Alltag mit Sex auszugleichen. Stimmt der nämlich nicht, zerbröseln letzte Gemeinsamkeiten, die sie bisher mühsam festgehalten haben. Mancherlei wird mit der Zeit hochnotpeinlich, unaussprechlich. So lieben sie sich irgendwann nur noch im Schlafzimmer auf glatt gestrichenen Laken und ergründen nicht, was sie erfrieren lässt.“

(ACR)

„Des Lebens Atemzüge sind für mich Bücher. So auch die Zeit mit ihm. Ein zur Realität gewordenes Märchenbuch? Vielleicht. Ich habe es gelesen, jede Seite aufmerksam und mit Hingabe. Nun steht es in einem Regal. Was ich gelesen habe, ist in mir. Viele Buchinhalte sind in mir; viele Bücher stehen in meinem Lebensregal. Jeder einzelne Lebensabschnitt, manchmal nur ein Moment, findet auf diese Weise Berechtigung und Bedeutung. Manche dieser Bücher sind Geschichten von Ärgernissen und manche die der hellen Freude. Ich möchte so gern ohne Wehmut daran vorbei gehen können und nicht jedes Mal alle diese Bücher heraus zerren müssen, nur weil ich sie einmal gelesen habe. Manches Buch habe ich sofort zugeschlagen und weggestellt. Einige habe ich hundert Mal gelesen, ehe ich mich davon trennen konnte. Ich gebe zu, dieses eine wegzustellen, fiel mir besonders schwer. Ich habe es sehr lange mit mir herumgetragen, ewig darin gelesen, stündlich, später täglich, dann wöchentlich und nun nur noch selten. Jetzt will ich es unbedingt lassen, wo es einen würdigen Platz hat. Und sollte ich darin lesen wollen, will ich nach meinem Ermessen bestimmen, wann und wie lange. Vorbei bedeutet nicht, es war nie da; es bedeutet, es ist nicht mehr, aber es war wichtig.“

(ACR)

„Trauer, dieses Wort lässt kein Lächeln zu. Mit nicht entsprechendem Gesichtsausdruck ausgesprochen, klingt es fremd und ähnelt einem Lügenlied. Nie sieht Anna einen Menschen lächeln, während er diese sechs aneinandergereihten Buchstaben ausspricht. Jemand aufzufordern, anders traurig oder so traurig zu sein, wie andere es sind, ist paradox. Die Trauer des Anderen muss niemand verstehen. Wieso auch? Trauer kann der Mensch, ähnlich wie Liebe, nicht anstellen und schon gar nicht ausschalten, und sie gehört, wie die Liebe auch, jedem ganz allein. Sie ist real unteilbar. Jeder Mensch kann allein trauern und allein lieben. Jedoch bündelt sich nur die Liebe zweier Menschen. Aus diesem sich gegenseitig Lieben wächst grenzenlos Energie und beide Liebenden entwickeln Bedürfnisse, die ihnen ohne einander nicht einmal eingefallen wären. Findet Liebe beim Empfänger des Gefühls allerdings keinen Spiegel, bleibt sie einseitig und im Absender wird tiefer Schmerz geboren. Dieser ist, wie Trauer, einseitig. Es findet sich nicht der Zweite, dem gehört, was der andere sendet. Es spüren sich zwar viele auf, die gemeinsam trauern können, doch der Betrauerte ist kein Spiegel mehr. Er ist nicht mehr beteiligt und wird doch zum Mitwirkenden gemacht, indem jemand um ihn trauert. Er kann sich nicht wehren und nicht integrieren. Über ihn wird verfügt. Um ihn wird getrauert. Um ihn? Wegen ihm? Oder trauert Anna um das verlorene Glück? Ist Trauer egoistisch? Es scheint momentan der Grund für Annas bodenlose Zerrissenheit zu sein, nicht zu wissen, wieso ihr so schmerzt, was er gar nicht mehr wahrnimmt. Da unten. In diesem Erdloch; sie will es nicht Grab nennen. Im glänzenden Sarg.“

(ACR)

„Jeder gelebte Moment der vergangenen Jahre ist eine Perle auf einer Schnur, von der sie meinten, sie werde nie einen Verschluss haben. Nun muss Anna lernen, diese allein zu verschließen und aufzubewahren. Es wird ihr helfen, sicher zu sein, es ging keine Einzige verloren.“

(ACR)

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@ACR (Alle Texte entspringen meiner Feder, alle Gedanken meinem Leben. ACR)

Bei der Gelegenheit: Wer Texte „klaut“, macht den unsinnigen Versuch, mit fremden Gedanken die eigener Mittelmässigkeit zu vertuschen. Das kann nicht gelingen. (ACR)

 

 
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