Aufschrei gegen Machotum? Jetzt platzt mir aber der Kragen – hinschauen erwünscht

Ich weiss nicht, seit wann ich durch tiefes tiefes tiefes Einatmen und nachfolgend bis an körperliche Grenzen gehendes Luftanhalten versuche, meine Auflehnung gegen den immer grösser werdenden Unsinn herunterzuschlucken.

Zugeben muss ich: Hinter der Überzeugung, ich kann die Welt sowieso nicht ändern, schien mir das Klappehalten bis hierher legitim.
Nun bin ich immernoch der Meinung, ich kann die Welt sowieso nicht ändern und hätte für solch’ grosse Aktionen auch kein Konzept, aber aber aber … ich müsste bei den ewigen Aufgeschreie-und-Gemännergewitze-Debatten einen Trockenapnoetauchtraining absolvieren, wollte ich nicht atemlos ohnmächtig daniedersinken.

Also muss ich was sagen, wenn ich schon gezwungen werde, das wiedermal lauthalse Wehklagen mindestens dreier Frauengenerationen gleichzeitig -von überallher nach überallhin- zu ertragen.

Himmelnochmal- hier nun mein Aufschrei:

Ganz zuerst will ich loswerden, wie leid ich es bin, ständig gendertechnisch einwandfrei – demnach vorab gegen jeden Einwand schreibend, Männer und Frauen extra- also getrennt- erwähnen zu müssen. Ich habe Leser und Leserinnen und werde gelegentlich angefacht, warum ich nicht zuerst Leserinnen und dann erst die Leser nenne. Es gibt so unglaublich viele und ganz unübersehbare Unterschiede zwischen Mann und Frau, ich glaube einfach daran, Menschen müsste genügen und beide fühlten sich angesprochen.

Aber nun, da genderpolitisch einwandfrei sogar Klassiker der Literatur ausgebügelt werden, fürchte ich, irgendwann nimmt uns die Glattmacherei die Farbe.

Und damit habe ich eine ganz prima Überleitung zum Thema Sexismus und die schreckliche Schrecklichkeit der Männer
oder könnte das auch ganz anders ausg(s)ehen ?

Angefangen vom kleinen Farbkasten mit Wimpernschwarz vor vielen Jahren – bis hin zur aktuellen Form der- „wie bekomme ich die Wimpern bis zum Hinterkopf gebogen”; Verlängerungen für Fingernägel und Fussnägel in Farben, die die männliche Vogelwelt als billige Kopie wirken lassen könnte; Haarverlängerungen in allen Längen und Farben (und für die Echtteile geben „Schwestern in der Seele” ihr eigenes Haupthaar her!!!), Absatzhöhen, die ans Stelzenlaufen erinnern, Ausschnitte bis zum Opferstock, Röcke, so kurz, dass sie von schmalen Gürteln vollkommen bedeckt werden könnten, oder lange Röcke wie Vorhänge – aber öffne sie- geschlitzt …
Die –wievielSchuhehastDudennüberhaupt- Masseinheit wird demnächst ganz offiziell in die Mengenlehre aufgenommen werden müssen. Das Gleiche gilt für Taschen.

Die Scheinheiligkeit wird für mich dort unübersehbar, wo naturhaarverlängerte Frauen gegen Naturpelzträger protestieren.
Nicht selten habe ich den Eindruck, der Tierschutz obsiegt dem Menschenschutz.
Nein! ich habe nicht übersehen, dass Frauen die Haarpracht nicht abgezogen, sondern bestenfalls abgeschnitten wird. Aber ich darf doch wenigstens darauf hinweisen, dass der „Wirtschaftszweig Frauenhaar” sich nicht aus auf Bäumen wachsenen Haarbüscheln entwickelt hat.

Die Schönheitschirurgie hat inzwischen eine vollkommen an der Wirklichkeit vorbeigehende Berufsbezeichnung; so vieles ist nicht mehr schön und hat den Blick des Schönheitswahns schon längst getrübt.
Busen, die an die Auslage übertriebener Sexspielzeuge erinnern, rausgedrückt und hervorgehoben und hochgehoben und durchgesilikont.
Wangenknochen, die verrutschten Schlüsselbeinen ähneln, abgehobelte Kinne, abgesaugte Backen in Hochpaterre und oberster Etage ….

Wir bedauern in aller Öffentlichkeit die Schicksale durchoperierter Frauen, die daran gestorben sind und finden die Erklärung, wie schuldig sich die Konsumenten machen, ohne daran zu erinnern, dass niemand gegen seinen erklärten Willen irgendwelche Körperteile vergrössert bekommen kann.

Die Zeigefreudigkeit hat einen Körperwahn erzeugt, der seinesgleichen wahrscheinlich sucht und wir schauen zu, wie damit die Zukunft der Menschheit mannigfaltige Beeinflussung erfährt.

Wie unser Wadenbein verkürzt und unser Blinddarm unnütz ist, werden möglichweise über die nächsten Jahrtausende Menschheitsgeschichte Mutationen herauskommen, dass heutige Filme, in denen die Figuren an allen möglichen Stellen Reissverschlüsse tragen, real erscheinen. Nicht überraschen dürften leeren Hautsäcke für Busen, Nase, Po und allerlei andere Körperteile, die der Mensch sich dann, nach seinem Gutdünken, nachträglich modellieren kann.

ich begreife nicht, warum heutzutage alle gleich aussehen wollen.

Und ich kann schon gar nicht verstehen, warum die OriginalkörperteilträgerInnen keine Lizenzgebühren verlangen… für all die chrirgischen Nachbildungen ihrer Nasen, Lippen, usw.

Wohin treibt das alles ?

Heranwachsenden Generationen erleben Essstörungen bald heftiger als ihre Pupertät, bzw. irgendwann wird das zu pupertären Symptomen im genetischen Programm des Menschen gehören, wie der Stimmwechsel bei den Jungs. Wenn wir so weiter machen, wird das jugendliche Essstörungssterben auch den statistischen Altersdurchschnitt beeinflussen.

Wir werden es ganz bestimmt noch schaffen, dass vor dem Abitur der Berufswunsch IT-Girl/Boy steht, und der Buchwunschzettel bei Amazon schon ab dem 13. Geburtstag vom virtuellen Wunschzettel in den Portalen von Schönheitskliniken überholt wird, und nur noch Köperteile angeklickt werden müssen, um auf die Op-Liste zu gelangen.

Und das alles für die Katz’???
Da soll ich tatsächlich glauben, dies sei alles nur für die Katz`?

Nach dem Motto, hat viel Geld gekostet, nun soll es auch jeder sehen … haben doch Vorreiterinnen und Stars und die, die denken, sie seien welche und die, die gerne welche werden wollen, ganze Ansammlungen von Körperteilen in alle möglichen Kameras gehalten.

Na ganz stimmt das nicht: Das meistgeliebte Spiel heisst wahrscheinlich immernoch – jeder soll denken, es ist echt! Ich gehe so weit (absichtlich provokant) zu behaupten, sogar Photoshop und andere Programme sind als Kampfwerkzeuge erfunden worden, Frauen immer mehr dorthin „züchten” zu können, wo die Natur sie sowieso nicht hinlässt und die Chirurgie handwerkliche Grenzen hat.

Was ist unsere Nachrichtenebene?

Zum weltweit wichtigsten und aufrüttelsten Ereignis wird tatsächlich, wenn zwei Stars in ähnlichen Kleidern übern roten Teppich schaulaufen. Das Ganze wird nur abgelöst vom ganz ganz ganz zufälligen Busenblitzer, der mittlerweilen bereits als Promotionseinheit in Marketingprogrammen aufgenommen worden scheint. Ach, nein, beinahe vergessen, unsere grössten weiblichen Vorbilder tragen keine Höschen, am Besten wirkt das beim Aussteigen aus irgendeinem Auto.

Das alles und noch viel mehr, bekäme ich zum Beispiel gar nicht mit, gefiele es ganzen Berufsgruppen nicht, das vehement in mein Leben kolportieren zu wollen.

Höre ich da – ich übertriebe-?
Na schauen wir doch mal genauer hin:

Wer bekommt denn heute Sendeplätze? Über wen und von wem ist in Zeitungen und Zeitschriften zu lesen? Nackte Haut verkauft alles. Kombiniert mit wenig Hirn und ganz kleinem Wortschatz ist es nahezu verführerisch. Werbung mit Billigcharakter. Rundfunk und Fernsehen wollen nicht nur ihre eigenen Zielgruppen verraten, sondern auch ihre eigenen Strukturen. Gerade solche Zeitungen, die Frauenpopos so aussehen liessen als ritten sie auf einem sattellosen Fahrrad, und auch heutzutage nichts weglassen, was zum Hinschauen taugt, und solche, deren tägliche Tittiesschau nun wirklich nicht als Verkaufsgegenargument von der ersten Seite lacht, drehen aktuell genauso an der „Männerwitzschraube”, wie alle anderen auch.

Und viele Frauen schreien auf, habe ganz schreckliche Geschichten zu erzählen, die sie schon viele Jahre verschweigen.

ich kann nicht umhin, ich muss heute fragen:

Wer schreit auf, wenn einer der endlos repektlosen Witze über der Kanzlerin Frisur, Mundwinkel, Hosenanzug wiedermal die Medienrunde macht? Und wieviele solcher Runden werden von Frauen und nicht von Männern gedreht? Weil diese Frau nicht den Schönheitsnormen entspricht, darf sie einfach so als Witzfigur dienen? Oh, nein, kommt mir nicht mit Karikatur oder anderen Einwänden, die sich auf übliches politisches Geplänkel bezieht und – nein, ich finde sie nicht Klasse und ich wähle sie auch nicht und es könnte mir wurscht sein, denn ich lebe nicht in Deutschland. Ja, ich weiss, politische Häme, sowas gibt´s seit eh und je auch über Männer. Das alles meine ich nicht, sondern ich meine die Grundsätzlichkeit der Respektlosigkeit, die nicht nur darin angezeigt ist, dass ihr genau ins Dekollté fotografiert wird und dies die Schlagzeilen der Zeitungen ausgemacht hat.
Grundfrage ist doch hoffentlich auch bei ihr, wo endet die Freiwilligkeit- oder ist das plötzlich variable?

Wer schreit auf, wenn die Dramatik schwerer Unfallfolgen betont wird – durch sowas wie: „Die junge bildhübsche Frau wurde bei Unfall schwer verletzt …. !”
Ist ein Unfall einer älteren Frau nicht ebenso dramatisch?

Wer hat in den Oktoberzeltzeiten aufgeschrien, wenn Dirndl mit entsprechender Füllung jeden Tag aus allen Medien hochgeschnürt werden? Mir will jetzt niemand erzählen, die Frauen trügen zwar die Dirndl, aber sie wollten damit nicht gesehen werden?

Wer schreit auf, wenn Starmamas ihre Starbabybäuche vollkommen unbekleidet vorzeigen und anderen Babybauchträgerinnen vorzufotografieren versuchen, wie starbabybauchnichtvorhanden Schwangerschaftsstreifen sind. ich soll jetzt nicht glauben, die ungeborenen Kinder hätten diese Fotos gegen den Willen ihrer Mütter eingefordert?

Wer schreit auf, wenn Frauen sturzbesoffen kreischend und kaum bekleidet durch sogenannte Trash soaps über die Bildschirme quoten?
Mir will jetzt niemand erzählen, die Fernsehmannschaft mit Mikrofon und Kamera werde zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt, machte sie der peinlichen Vorführung nicht vorzeitig ein Ende? (Und ja, ich weiss, sowas gibts auch von Jungs und Männern zu sehen- aber irgendwie passt das ja wenigstens zur gelegentlichen weiblichen Annahmen, Kerle seien eh für nichts anderes gut.) Mir geht es gerade nur um die Darstellungsmöglichkeiten der emanzipierten Frau und deren Unterstützung durch die Medien.

Wer schreit auf- wenn`s … die jeweils schwer zu kriegenden 15 Minuten Ruhm sind, egal wie ruhmreich sie geraten? Unmittelbar nach der Dschungelfernsehzeit, die sogar einen Grimmepreisbewerber offeriert, ist das meine lauteste Frage.

Yes! Medienwelt! Yes!

Hackenaneinanderknalleundstrammstehe!
Wenn es um Quote geht, sind viele viele Frauen gerne in der ersten Reihe.
Frauen machen Quote!
Und viele denken auch noch, sie seien es, die das für sich selbst entscheiden.
Na Klasse!

Oder gilt Frauenquote nur als Begriff für:
„Ich krieg den Job, weil ich ein Mädchen bin?”

Die Frau von heute hat so eine Quote nötig ???

Frauenquote?

Dafür also haben sich die Frauen dieser Welt ins Feuer des Geschlechterkampfes geworfen und ihr Leben hergegeben und tun es in manchen Ländern noch immer?

Oder hat hier innerhalb der wechselnden Generationen, die Gier, die Zeit überholen zu wollen, den Kampf um Prinzipien zum Prinzip gemacht?
Kann es sein, es wird wiedermal ganz offensichtlich, dass es leichter ist, um Prinzipien zu kämpfen als zu leben, wo sie hinbringen?

Frauenquotierung, Frauenquoten, Quoten …

Weil Frau die Wahl hat – wird sie wahllos?

Mal angenommen, es wäre ein überdenkenswertes Modell
g e w e s e n, haben die Medien und die auf deren Welle reitenden Frauen, zumindest ihren ganz persönlichen Beitrag dafür geleistet, jede Form von Frauenquote peinlich werden zu lassen.

Zumal wir schon eine Menge Quote haben- oder nennt man das Sendezeit und damit Meinungsmache ?

Da gibt´s richtig Quote:
„Ich werde doch nicht arbeiten, Hey, ich bin ein Mädchen!” Mit viel Power haben das die Sender und Zeitungen gerade vor Kurzem ins Leser-und Guggervolk gepustet.

Da gibt´s immer Quote: „Schaut mal her – 25 Minuten nach der Entbindung hatte ich schon wieder den Körper einer 18 Jährigen!”

Da gibt´s soviel Quote, es reicht sogar für Dokumentationen: „Mein Körper ist mein Kapital. Ich bin ein Gesamtkunstwerk.” Wie viel Sendezeit und AufmerksamkeitsSpaltenplatz wird hierfür verschleudert? Dem Einwand, es gäbe dafür auch männliche Beispiele, schenke ich ein schulterzuckendes: „Mit welchem Recht denn nicht? Und wer war eher da? Ken oder Barbie?” Wer hat denn am lautesten gerufen, die Männer sollten unbedingt auch zur Kosmetik gehen? Wer wachst denn dem Manne das letzte Brusthaar weg?

Da gibt´s enorm Quote: „Wie wird ein Frauenkörper in ein paar Wochen auf Mass grundsaniert …” … oder wie heissen die extrem schönen Formate?

Da gibts ewiglich Quote: „Sex sell´s …” Eim Blick auf die Bestsellerlisten gefällig?

Da gibt´s ganz riesig Quote: „Wie sticht Frau ihre Mitbewerberinnen aus und hofft auf die nächtliche Rose eines traumfrausuchenden Mannes?” Also ich bin ja wirklich nicht „Alice´s Weggefährtin”, aber es muss schon ein Schlag ins Gesicht der gesamten Frauenbewegung sein, dass so ein Sendeformat überhaupt geplant werden konnte. Dieses Ding ist die öffentliche Bestätigung, wie sehr Frauen das angeblich so verpönte Machotum suchen! Dass sowas Zuschauer hat- könnte man ja noch den Männern anlasten. Unbeschreiblich peinlich ist es allerdings, wie viele Bewerberinnen es dafür gibt. Die wievielte Staffel führt uns Frauen schon vor, wie weit weg wir von dem sind, was wir öffentlich behaupten? Puhhhh Wo bitteschön ist der weibliche Aufschrei gegen ein solch’ unbeschreiblich dümmliches Format? Keine Lichterkette durchs Land? Und das Allerpeinlichste: Selbst die Nervensäge an sich, die an irgendeiner Stelle dann doch nicht mehr in der engeren Wahl ist und keine Rose mehr bekommt, macht in allen möglichen anderen Trashsendungen ihre ganz persönliche Karriere. Ich kann es mir nicht verkneifen zu erwähnen, sie ist eine Vertreterin der Frauenwelt!

Darf ich mal höflich anfragen: „Welche Zielgruppen sind denn bei alledem auf dem Schirm der Medien?”

Diese endlosen Hirnfresser werden wirklich für Null Zuschauerquote produziert?

Und bei all den Quoten ist Frau nicht mehr in der Lage zu unterscheiden?

Da kann ein männliches Unterwäschemodel medienträchtig – werbewirksam nach der Socke im Slip gefragt werden, anderenorts fasst ein Star öffentlich einem anderen in den Schritt und alles wird furchtbar fröhlich empfunden. Haut eine Frau einem Mann öffentlich eine in die Fresse, wird sie als Heldin gefeiert, die es den Kerlen endlich mal gibt, bei einem Mann reicht schon die blosse Vermutung, er täte ähnliches hinter geschlossene Wohnungstür … ? Eine Frau, die gern und oft nacktbetont über den Bildschirm geworben wird, wirkt ganz anders, wie wenn ein Nudist unbedingt unbekleidet fahrradfahren will? Die Frauen, die vorzugsweise Rasterlockenurlaube buchen, kommen als unglücklich verliebte und betrogene Frauen aus dem Urlaub, während Männer mit Tickets nach anderswo grundsätzlich als Schweine gelten? Frauen, bis zur Unkenntlichkeit aufgehübscht, sind in Discos nur der klassischen Musik wegen, während Männern unterstellt wird, sie wären schon auf allen 5en dahingehechelt? Eine Frau darf auf einen Mann zeigen und sagen:” Der war`s”, und es bleibt auf jeden Fall etwas an ihm kleben? Macht ein Mann das Gleiche, steht er unter Verdacht, er sei nur ein enttäuschter Liebhaber? Eine Mutter, nach der Trennung um die Erziehungsberechtigung ansuchend, ist eine gute Mutter, ein Vater in gleicher Situation ein storkender Täter? Wenn eine Frau den Knackarsch eines Mannes öffentlich zur Sprache bringt, ist das emanzipatorisch rechtens, sagt ein Mann etwas über die wohlgeformten Schultern einer Frau, kommt es auf die aktuelle Befindlichkeit der Schulterträgerin an, ob sie das für den Moment gut findet – oder für`s kommende Jahr notiert?

Ein ganz bestimmtes Möbelhaus fällt mir immermal durch mir brechreizerzeugende männerverunglimpfende Werbung auf; wäre so etwas auch nur annähernd mit Frauen in der entsprechenden Rolle geschehen- ein Aufschrei ginge durch die Welt. Oder kann sich jemand vorstellen, ein dominanter Kerl reicht einer dümmlich vor sich hinsuchenden Frau einen noch blödsinniger aussehenden Igelmotivpullover und eine sonore Stimme sagt aus dem Hintergrund: „Der richtigen Kleiderschrank erspart das Suchen”?

Am allerallermeisten habe ich den Aufschrei bei folgender Werbung des gleichen Möbelherstellers vermisst: Frau haut Mann im Beisein von Gästen die Pfanne auf den Kopf, weil der sagen will, bei wem man so eine wunderhübsche Küche kaufen kann. Häusliche Gewalt als Werbeslogan? Ich möchte gerne zur Überlegung geben- was wäre gewesen, wenn Mann gerade die Pfanne in der Hand gehabt hätte ?

Das in einem weiteren Spott sogar – im Beisein der Schwiegermutter – von der Ehefrau behauptet wird, der Vater des Neugeborenen sei ein anderer, weil der gerade unbedacht verraten will, wo die teuer aussehenden Schlafzimmermöbel gekauft worden sind- hat mich nur noch zum Kopfschütteln gebracht. Grenzen weit ausser Sicht- aber kein Aufschrei??? Na- in dieser Rolle wäre kein Tausch möglich und sogenannte Kuckuckskinder haben damit vielleicht eine ganz andere Symbolik bekommen?

Was also soll werden mit uns- mit den Frauen und Männern? Können wir nur nicht mehr differenzieren- ohne Gefahr zu laufen, gleichzeitig in eine Täterrolle gedrängt zu werden?

Nicht Täter? Na? Wie viele von den LeserInnen, die mich jetzt in diesem Moment lesen, unterstellen mir gerade, ich hiesse Übergriffigkeit gut und leiste der Gewalt gegen Frauen Steigbügelhalterdienste?

Wie viele Männer verstehen mich nicht und denken, sie müssten nun Partei ergreifen für Frauen?

Und wie viele Männer denken, sie müssten schnellstens Argumente gegen meine übertriebenen Behauptungen liefern, damit sie nicht in den Verdacht kommen, eine ähnliche Meinung zu haben. ich will jetzt vom Vertreten (Meinungvertreten) gar nicht reden.

Eher kommt vieles einer Meinungszertretung nahe, zumal erst mal nachdenken, nachfühlen, nachklingen lassen und dann ….was auch immer … im Zeitalter des Internets kaum noch Raum bekommt.

Ach was, mir kann es egal sein- ich werde in ein paar Tagen 60, finde mein Dekollté Klasse und zeige es gerne. Immerhin habe ich mir vor etlichen Jahren, nachdem ich enorm viel abgenommen habe, meinen Bauch und Busen straffen lassen. (Das war so schmerzhaft und teuer, das werde ich doch wohl zeigen dürfen. Ich hoffe ehrlich, meine Zeit für hochgeschlossenen Kragen und Vorstecknadel kommt nicht so bald.)

ich habe diesen klitzekleinen Spass, wenn an der Kasse bei Tesco eine Frau ihrem Mann auf die Füsse tritt, weil er einen Blick in meinen Auschnitt wagt, während ich die Einkäufe aufs Band lege.

Und ich denke, wie unglaublich verlassen sich ein Mann fühlen muss, während seine Frau immer wieder über irgendeinen Schauspieler ins Verzücken gerät.

Und beinahe möchte ich wetten, der ungefilterte Vergleich des Benehmens von weiblichen Fans für männliche Stars und männlicher Fans für weibliche Stars hält viele Facetten unterschiedlicher Bewertungen frei. Da kommen Frauen ganz bestimmt nicht besser weg als Männer- ich verkneife mir den Zusatz: „Ganz im Gegenteil” (nicht).

Wie gesagt, ich bin fast 60, ich bin raus aus dem Rennen um irgendwas und um meine Generation ist es mir nicht bange.

Aber bitte, wo sollen die Männer von morgen lernen, was genehm ist? Nach welchem Vorbild werden Mädchen zu Frauen?

Hilft wirklich nur noch absolute Ignoranz. Männer schauen Bilder und nicht Leben?

Frauen zeigen sich nur noch Kameras?

Hilft einzig vorausschauende Angst und Unterstellung auf beiden Seiten?
Kein Mann geht mehr ohne Zeugen vor die Tür?
Keine Frau wagt sich ohne Begleitung auf Strasse oder in Menschengruppen?

Soll es jetzt soweit gehen, dass wir uns gegenseitig nicht mehr trauen können. Soll Misstrauen und Unterstellung so lange herrschen, bis nur noch eine allumfassenden Bild- und Tonüberwachungswelt lebbar ist?

Wieso habe ich plötzlich im Sinn:

Achtung! Frauen und Kinder zuerst in die Rettungsboote! ?

Männer zuletzt … Männer das Letzte?
Na, wollen wir mal sehen, wie die Frauen …. ach ja, ganz vergessen… die haben im Zweifel die Quote …

Hmmm, wie es wohl weitergeht mit der Menschheit ?

Manchmal denke ich, es sei keine so schlechte Idee, mal weniger an den Männern rumzuklagen als sich selbst unter die Lupe zu nehmen … und ganz gewiss, muss dazu weder die Kleiderordnung geändert noch der Schminkkoffer zugeschlossen werden …

(ACR)

*** Anmerkung der Autorin: Allein die Tatsache, dass ich darüber nachgedacht habe, hier unbedingt erwähnen zu müssen, wie schlimm Gewalt gegen Frauen, Männer und Kinder ist, wie viel Aufmerksamkeit und Sensiblität nötig ist, um vor Gewalt zu schützen, und das ich mich gegen jede Form von Gewalt distanziere,
zeigt (mir)… wie schwer es inzwischen geworden ist, nicht in den Verdacht zu kommen, das Thema nicht gebührend ernst zu nehmen.

Das könnte bei genauerer Betrachtung sogar dahin führen, zu denken, Männer haben wenig Chancen, sich an solchen Debatten zu beteiligen, ohne unterstellt zu bekommen, sie gehörten zur Gattung derer, gegen die ein Aufschrei Not tut.

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