Blick zurück nach vorn …

Hey Welt, ich lebe  noch allerhand Jahre und habe vor, die schon vorhandenen Spuren noch zu vertiefen.

Hey Welt, ich lebe noch allerhand Jahre und habe vor, die schon vorhandenen Spuren zu vertiefen.

In den letzten Tagen habe ich ab und an innegehalten, gelächelt oder tief durchgeatmet (kann auch geseufzt gewesen sein), Fotos angeschaut, meine beiden »heiligsten« Schätze, zwei wundervolle Briefe aus meines Sohnes Kinder-/Jugendzeit, hervorgekramt und gelesen.

Erinnerungen.
Eine womöglich schicksalshafte Begegnung hat mich unlängst tatsächlich um Jahrzehnte in mein Leben zurückgeschossen.
Erinnerung – Erkenntnis.

Es ist, wie eine Schallmauer durchbrechen.
Ist es wie durch eine Tür gehen?
Ein Stück mehr Freiheit.
Ein Stück weniger Zeit?

Manchmal bin ich mir wie jemand vorgekommen, der in einem geschlossenen Raum versucht, den Kopf über einen steigenden Wasserspiegel zu halten. Dann wieder hat mich interessiert, wie viele Minuten 10 Jahre sind und wie viele Male ich wohl ein- und ausatme in dieser Zeit?

Bei der Rückschau auf meinen 30. Geburtstag, an dem ich doch tatsächlich schon gedacht hatte, nun uralt zu sein und bald die Radieschen von unten anschauen zu müssen, habe ich herzlich gelacht.

Radieschensalat finde ich übrigens lecker.

Mit 40 hätte ich so gern meine 30 wiedergehabt. Erst ab 50 ist mir Alter zur Schwester geworden. Ich liebe meine Jahre. Ich mag´s jetzt nicht näher erklären, aber mir wird gerade bewusst, wie oft ich mich selbst überlebt habe.
Unglaublich, ich bin 60 Jahre alt geworden.

Meine innere Sonne, mein Glaube an den göttlichen Funken im Menschen, meine Neu — Gier, vor allem diese Gier, Neues zu lernen, begreifen, bedenken, nutzen, weitergeben, meine Sehnsucht nach Vervollkommnung, schreiben können/dürfen, meine Gabe, bedingungslos zu lieben und mein Glück, geliebt zu werden, weil ich es bin … sind Motoren meines Lebens.

Heute Nacht 00:00 Uhr werde ich 60.
Dass ich geboren worden bin, hat mit mir nichts zu tun, ich wurde nicht gefragt.

Was ich aber trotzdem aus mir gemacht habe, ist allerhand mehr als eine 60 jährige, rothaarige, hippppsche Hiiiiiietchenträgerin, die ab und zu was schreibt und sich wünscht, das nähme jemand wahr.

Hey Welt, ich lebe noch allerhand Jahre und habe vor, die schon vorhandenen Spuren zu vertiefen.

Ich habe mir viele neue Federhalter gewünscht und ganz dolle viele lila Tintenpartonen und ganz viele schöne zeilenlose Bücher – für meine Notizen …

… und gratuliere mir zu meinem Leben.

(ACR)

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