Die Faszination einer Persönlichkeit. Oder: Eine Nonne spricht von der Liebe und gibt Hausaufgaben auf

Erstens.
Prolog.

Des Prologs bedarf ich, um meinen langen Weg zu meiner Entscheidung für meine Antwort auf die ewige Frage über das Sein oder Nichtsein des Allmächtigen, voranstellen zu können. Ich gehöre nämlich keiner Konfession an, glaube also nicht an göttlichen Willen und halte die Allmacht eines weisen Mannes für unmöglich, vor allem Anbetracht der unzähligen Opfer vieler Kriege und des weltweiten Leides von Kindern, der Unsinnigkeit des Streites um den einen wahren Gott und letztlich ist der Bischoff von Limburg nur ein staubkörngrosser aktueller Grund für die Aussicht, ER werde wenigstens leise grollen oder, viel wirkungsvoller, dem Kerl mit tiefer und unnachgiebiger Stimme aus Wasserhahn und Abfluss der neuen 15.000 Euro- Wanne die Leviten lesen. Gewiss kenne ich allerhand Argumente, warum der liebe Gott nicht dauernd den Beweis für seine Existenz antreten will, folge diesen Darlegungen und lande da, wo die Realität dafür spricht, es gibt IHN eben doch nicht.

@ ACR

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Ich bin ergriffen von Beispielen, was Menschen sich – auch im Namen Gottes- einesteils gegenseitig antun und andererseits füreinander erdulden. 

@ACR

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Der Zahlenstrahl der Geschichte der Menschheit ist mit Blut geschrieben und es erscheint mir plausibler, menschliche Dummheit führe die Feder denn Gottes Wille.
Gier, Neid, Erfahrungsresistenz, Rechthaberei, Hochmut, mischen sich ins Tintenfass des Lebens, sorgen für Verunsicherung Glaubensbereiter und Wiederholbarkeit menschlichen Versagens. Im Geschichtsunterricht, in der Literatur und auch inmitten des Zeitgeschehens habe ich mich unentwegt gefragt, worin sich bei alledem SEINE Allmacht denn begründet. Im Zuschauen? Abwarten? Im Bestreben, dem Ergebnis der eigenen Schöpfung Lehren zu erteilen? Lehre erteilen? Finde ich prima. Warum tritt ER dann nicht wenigstens nur den Bösen in den Hintern und lässt die Guten ihr Gutes Tun?

Die Lebensgeschichten von Dietrich Bonhoeffer und Schwester Restituta sind nur ein Tropfen Tinte an der Feder, mit der Unrecht geschrieben worden ist. Und ER hat nicht eingreifen wollen? Wenn ER den Guten nicht beisteht, wieso wirft ER den Bösen keinen Stock zwischen die Beine? Oder im Umkehrschluss, wenn ER die Bösen nicht aufhält, damit sie die Chance zur Umkehr haben, wieso hilft ER nicht den Guten, die Opfer der Nichtumkehrbarkeit werden? Früher habe ich überlegt, ob ER wohl damit erinnern will, wie ER seinen Sohn hergegeben hatte und absichtlich provokant gefragt, ob dieses Opfer all die vielen Söhne und Töchter rechtfertigt, die daraufhin in den Opferstand gefolgt sind und noch folgen werden.
Warum musste Franziskus von Assisi so früh sterben, wieso vorher noch erblinden und warum schwächte ausgerechnet ihn das Fasten? Sein Leben ist doch in absolutem Verzicht auf jede Form von materiellem und geistigem Besitz verbindlich auf alle Zeit.

Wäre seine Erblindung nur die konsequente Fortführung seines Verzichtes, hätte ihn das nicht gerade stark und gesund machen und besonders lange leben lassen müssen?

Franz von Assisi starb aber einen frühen Tod im Hinblick darauf, was er für die Menschen durch sein lebendiges Beispiel noch alles hätte tun können. Zugegeben, für diese Zeit ist sein Alter recht beträchtlich gewesen, es gab jedoch auch viele Menschen, die wesentlich älter geworden sind als er. Vor allem die, die reicher gelebt und die Lehre vom fetten Leben weitervererbt haben.
Ich habe Beispiele gesucht, viele Jahre hindurch, und Hildegard von Bingen, Teresa von Ávila, Mechthild von Helfta, Gertrud von Hackeborn, Theresia Benedikta vom Kreuz, Johannes Paul II., Simon Petrus, Jesus und so vieler weiterer Menschen Leben angeschaut und komme mit dem, was sie gesagt und wie sie gelebt haben sehr wohl zusammen. Auch dann, wenn ich nicht vertreten will, was sie gedacht oder getan haben- bezüglich ihres Allmächtigen- fühle ich mich mit ihnen verbunden im menschlichen Sein. Geht es jedoch darum, wie ER reagiert oder Selbiges eben unterlässt, komme ich auf keinen grünen Zweig.

Ich falle vom dürren Ast. Kommt Glauben vor Wissen, verdurste ich. Wissen glauben ist einfacher. Erleben glauben ist mir das Reellste.

Sobald ich mich auf das Thema eingelassen habe, drehten sich meine Gedanken im Kreise. Es spricht genau soviel dafür wie dagegen, ob überhaupt und in welcher Form es den alten Herrn da droben gibt und wie er agiert. Halten sich Für und Wider die Waage, ist das ein untrügliches Zeichen für glauben sollen oder glauben müssen, ohne etwas genau zu wissen. Genau da drängt es mich zu hinterfragen. Selbst die Behauptung, ER sei jemandem erschienen und habe dessen ganzes Leben in herrliche Bahnen gebracht, kann ich glauben oder auch nicht. Ich glaube es nicht, zumindest nicht, es geschehe irgendetwas ohne des Menschen ureigene Kraft.

Und so staune ich immer, mit welcher Inbrunst Menschen sich auf IHN einlassen.

Mehr noch, es sind viele dem Weltlichen geflohen, nach meinem Eindruck sogar dem Leben, haben Kutte oder Schleier genommen, die Schuhe gar abgelegt und sind nur den einen Weg, der mir schmal erscheint, ihnen aber breit genug, nicht zu straucheln, gegangen und den Geboten Gottes gefolgt; oder denen seiner Beauftragten oder Bevollmächtigten im Geiste und im Tun.

Welch‘ ein Entschluss, welch‘ Leben. Welche Beharrlichkeit, welche Konsequenz.

@ACR
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Gehe ich recht in der Annahme, der Mensch hat nur ein Leben, alles andere ist reine Spekulation, gehört eine ungeheure Portion Entsagung dazu, dieses, den Rosenkranz aus getrockneten Bohnen betend, von einer Kutte aus Sackleinen bedeckt, auf Knien zu verbringen.
Natürlich weiss ich, es gibt auch andere Rosenkränze und buntere Klosterleben, aber es soll jetzt absichtlich das Ganze recht einseitig in übertriebenen Klischees beschrieben sein. Ich erinnere nicht mehr warum seit meiner frühsten Kinderzeit eine klare bildliche und, bis vor ein paar Monaten, unverrückbare Vorstellung von bohnenrosenkränzebetenden Nonnen in mir ist.

Im NichtanGOTTglauben bin ich konsequent, bitte den, an den ich nicht glaube auch dann nicht um Hilfe, wenn meine Kraft schmilzt und ich weinend zu Boden stolpere. Ich danke allerdings Gott auch nicht in Zeiten höchster Glücksgefühle. Gilt Glauben in guten und in schlechten Zeiten, möchte ich mich nicht heute gottlos freuen und morgen gottsuchend bitten. Und ich will insbesondere nicht belehrt und bekehrt werden, warum Gott gerade die Bittenden mag und die Verlorenen umarmt und die Leidenden liebt.

Ich finde in der Welt selten wahrhaft Gerechtes und keinen Trost darin, es werde einst im Himmel vor allem denen Gutes widerfahren, die im Irdische gedarbt haben.

Das heisst nicht, ich habe keinen Glauben. Zuerst glaube ich mal an mich. Ohne die Basis bekäme ich keinen Fuss auf den Boden meines eigenen Lebens. Soweit gut ausgestattet, glaube ich unerschütterlich an Freundschaft und Liebe. Da gehe ich sogar soweit, an reine Freundschaft und bedingungslose Liebe zu glauben. Unverbrüchlich.

Ja, ich bekenne mich zu diesem Glauben, gleichwohl wissend und mit diesbezüglich tiefgehenden Erfahrungen ausgestattet, es gibt keine Garantie für den Bestand von Beziehungen zwischen Menschen. Zum Glück. Denn damit gibt es auch keine Garantie für ewige Feindschaft. Und dies hat die Menschheit hin und wieder gerettet.

Und ich glaube an noch mehr. Ich glaube an den menschlichen Funken, der in jedem von uns, sicher mehr oder minder ausgeprägt, aber immerhin vorhanden ist. Gerne nenne ich ihn göttlichen Funken, komme mir dabei jedoch wankelmütig vor, will nicht die Rosinen nehmen und den Kuchen stehen lassen. Also: göttlicher Funke oder funkender Mensch oder wie? Gibt es göttliche Funken, obwohl es Gott nicht gibt? Oder ist, was für mich die göttlichen Funken sind, für andere der Gott? Ich weiss es nicht und ich suche auch nicht nach der Antwort, zumal ich vermute, es gibt viele. Ich bin mit meiner im Frieden, gönne mir gar den Luxus und nehme mir die Freiheit, gelegentlich neu zu betrachten – was ich zu kennen glaube. Alles in Allem bin ich in der Frage, Gott betreffend, schlichtweg nicht auf Streit gebürstet. Jeder Mensch soll glauben woran er muss, auf das sein Leben sich ihm öffne. 

@ACR

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Während ich diese Zeilen schreibe, erinnere ich etliche Ereignisse in meinem Leben, die ich, sehr jung schulterzuckend abgetan, oder schon älter, erstaunt innehaltend, erlebt habe. Nie hat mich dabei die Sorge, Frucht oder gar Angst gehalten, über die Sein oder Nichtseinfrage nachzudenken. Denken ist Ausdruck der Freiheit und ich wollte nie nur vorsorglich an IHN glauben, damit mir späterhin die himmlische Tür aufgeschlossen werde.

Da ist mein Selbstvertrauen rundum gefestigt. Gibt es die Tür, geht sie auch auf.

Vielleicht ist mein anhaltender Unwille, anzunehmen, es gäbe DEN, der das Geschick der Menschheit bestimmt und genau in dieser „Rolle“ erlaubt, duldet, akzeptiert, wie die einen das Leben erleiden und die anderen aus dem Feiern gar nicht mehr herauskommen, auch dem Zeitgeschehen geschuldet. Da verdursten Kinder, hier ertrinken Menschen. Während irgendwo im Kriegsgeschehen getötet Babys beweint werden, kommen an anderer Stelle mehr zur Welt als ernährt werden können. Sobald eine Krankheit besiegt ist, stellt die nächste unbekannte die Menschheit an den Abgrund des Lebens. Die Fotos verhungerter Menschen halten die Vernichtung von Lebensmittel nicht auf. Erst werden in jeder Währung für Billionen menschenmordende Waffen entworfen und gebaut und dann für mindestens ebenso viel Geld vernichtet. Millionen Menschen werden von Menschenhand und Menschengeist umgebracht.

Tierarten sterben aus, weil der Mensch, die Schöpfung des Allmächtigen da droben, sich mit deren Körperteilen schmücken oder potent machen will.

Was ist denn das für ein Management?
Fehlplanung oder Personalmangel?
Konstruktionsfehler oder Überforderung?

Ist es mit der Entwicklung der Menschheit wie mit Atomkraft?
Die Erfindung ist genial, deren Auslegung indes existenzgefährdend?

Fortsetzung:

Zweitens. 
Glaube des Erlebten.

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