… reicht Hausfrauensex als Verkaufsmagnet oder muss es BDSM sein?

Dieser Ausschnitt ist ein Link zum Beitrag:

„Kommen Sie hierher! Kommen Sie ran! Hier bekommen Sie´s billiger als nebenan.“

Publiziert am 24. Januar 2013 von Charlotte

 

Leseprobe:

„Im Spiegel der anderen”

 

( … )

Der Orgasmus einer sogenannten Hure kann ganz anders, als der einer sogenannten anständigen Frau, sein. Ich bin beides gern und noch viel mehr als nur Frau und Hure für ihn. Ich bin gern seine Liebste, seine Köchin, seine Beraterin, seine Zuhörerin, seine Begleiterin und seine Angebetete. Das eine wäre ohne das andere nicht möglich.“
„Wow, du machst mich sprachlos“, Heidemarie sagt wirklich nicht mehr viel, sie verabschiedet sich leise mit der Feststellung: „Was habt ihr beide für ein Glück miteinander! Ach, ich freue mich so sehr für dich.“ Anna dankt und verkneift sich, zu erwähnen, sie solle sich nicht für sie, sondern mit ihr freuen.
Sie erzählt Martin von der zufälligen Entdeckung und Aufklärung. Es gibt einen kurzen Austausch reiner Auskünfte.
„Und? Meine A, hast du damit Probleme?“
„Nein, wieso auch“, sie streicht sich mit einer Hand durchs Haar und lächelt.
„Hat Heidemarie damit Probleme?“
„Ich glaube nicht, nein, hat sie wohl nicht.“
„Gut, dann ist alles besprochen?“
„Es gab nichts weiter zu besprechen.“
„Hätte mich auch gewundert.“ Er küsst Anna auf die Nasenspitze. „Mach mir einen Kaffee und bitte, frisiere dein Haar nicht so streng nach hinten. Du gefällst mir mit den wilden Locken in der Stirn besser.“ Er wuschelt mit beiden Händen über ihren Kopf, gibt ihr einen Klaps auf den Po, setzt sich in seinen Sessel und schlägt die Zeitung auf. „Hast du mitbekommen, wie die Bayern gespielt haben?“ Aus der Küche kommt ein Seufzer:
„Liebster, lies es selbst, es wird dir nicht gefallen.“ Raschelndes Papier, er blättert um, dann ein einzelnes Lautes:
„Scheiße!“ Sie findet diesen Kommentar angemessen. 0:3 gegen eine mittelmäßige Mannschaft zu verlieren, kann keine Jubelschreie hervorrufen.
Ein paar Minuten später serviert sie Kaffee. Er legt die Zeitung weg und befindet, es sei die richtige Zeit für einen Spaziergang. „Mach dich flott, richtig flott, meine A. Wir gehen nach dem Kaffee raus“. Sie huscht ins Schlafzimmer, zieht sich um und wählt eine tief ausgeschnittene Bluse im Blau der Tuareg. Er mag diese Farbe an ihr. Dazu trägt sie einen langen schwarzen, sehr engen Rock und schwarze, halterlose Strümpfe. Sie schlüpft in die hochhackigen, schwarzen Schuhe, geht ins Bad, frischt Lippenrot und Mascara auf, bürstet das Haar, steht nach wenigen Minuten im Zimmer und sagt:
„Fertig. Nimmst du mich so mit?“ Er schnürt gerade seine Schuhe zu, schön bequem im Sitzen. Kurz schaut er hoch, betrachtet sie, zieht die Schleife fest und lacht leise. Dann lehnt er sich zurück, zieht die Augenbrauen nach oben und antwortet als denke er nach:
„Mitnehmen? Das muss ich mir erst überlegen“. Was meint er? Ist sie flott für ihn, oder soll sie sich anders kleiden?
Martin steht auf, schiebt alle Stühle vom Esstisch zur Seite, weist mit dem Arm in Richtung Tisch und lächelt: „Bitte Platz zu nehmen, die Dame“. Zuerst beobachtet sie ihn erstaunt. Was macht er da? Jetzt lacht sie.
„Wie meinst du das? Soll ich mich auf den Tisch setzen?“ Er zuckt betont mit den Schultern:
„Spreche ich chinesisch? Komm, hopp auf den Tisch.“
Anna wird glutrot. Sie klettert ungeschickt auf die Tischkante und schaut zu, wie er den Sessel mit einem Ruck umdreht und direkt vor den Tisch rückt, sich setzt, wieder aufsteht, ihn etwa einen Meter zurückschiebt und sich wieder hineinsetzt. Ihre Blicke treffen sich. Wäre Atmung nicht grundsätzlich ein vegetativer, sich selbst regulierender Vorgang, erstickte sie.
Anna erstarrt, sitzt auf dem Tisch wie ein kleines Mädchen, hat nicht den Hauch einer Ahnung, was er von ihr erwartet und findet die ganze Situation unwirklich. Er sitzt vor ihr im Sessel, seine langen Beine übereinandergeschlagen, die Hände auf den breiten Lehnen und mustert sie. Kleinen Lachfalten in den Augenwinkeln zeigen, es ergötzt ihn, sie sich so verloren fühlen zu lassen. „Na, A, was ist los?“, fragt er. Sie zuckt fahrig mit den Schultern, wippt ein wenig mit den Beinen hin und her und schaut scheinbar interessiert auf ihre Schuhspitzen. Mit der rechten Hand fährt sie sich durchs Haar und dreht eine Locke um den Zeigefinger. Würde sie etwas denken können, würde sie wenigstens denken können, doch sie kann gar nichts. Nur ihr Gesicht verzieht sich zu einer kindlichen Grimasse. Sie ist ohne Einfluss darauf. „Hallo, A, ich rede mit dir“, er hebt seine Stimme nicht, flüstert nur. Sie empfindet es als Donnerhall und schreckt auf.
„Ja, ich bin hier.“ Sie kann den Kopf, trotz aller Anstrengung, nicht heben.
„Schau mich an“, seine Stimme wird lauter. Er liebt ihre Geste, sich durch ihr Haar zu streichen und beobachtet sie lächelnd. Sie versucht, ihr Kinn zu heben. Die Muskeln im Nackenbereich sind einer kompletten Versteifung anheimgefallen. Sie sieht das Muster ihres Teppichbodens erstmals in jedem Detail, hört sich albern kichern, schämt sich ihrer grenzenlosen Unbeholfenheit und sagt ganz leise:
„Ich weiß nicht so recht, was du willst“.
„Nach was sieht es denn aus?“ Er lacht. Dabei legt er seinen Kopf weit zurück. Seine Fröhlichkeit lockert auf, sie schaut zu ihm. Er zeigt mit einer Hand zuerst auf den Tisch, danach auf den Sessel: „Nach was sieht denn das aus?“ Anna kommt sich ungeheuer dämlich vor. Sie will unbedingt etwas Kluges sagen, das Gefühl ausgleichen und beantwortet die Frage logisch:
„Es sieht aus als säße ich auf dem Tisch und du im Sessel vor mir“. Kaum hat sie es ausgesprochen erkennt sie, es ist zwar eine exakte Beschreibung, aber keine passende Antwort. Wieder lacht Martin, diesmal laut mit den Händen auf seine Oberschenkel schlagend.
„Du kleine Schlaue, das hast du gut erkannt. Alles hat natürlich seinen Sinn. Ich will mir beweisen, ein Mann sitzt nicht nur bei der ARD in der ersten Reihe.“
Anna hält die Hände vors Gesicht und kichert. Sie weiß nicht warum, hat keinen Schimmer, was die ARD mit der Gesamtsituation zu tun hat, zumal sie kaum fernsehen, sie gickelt rein prophylaktisch weiter. Martin unterbricht ihren Anflug der Erleichterung mit einem Satz: „Leg dich auf den Tisch und zeig mir, wie du mit dir spielst“.
Sie versteinert mit dem nunmehr stummen Kichern auf den Lippen. Ihre Hände fallen vom Gesicht auf die Oberschenkel. Anna wird zur Marmorfigur. Wahrscheinlich wird sie auch so weiß. Arme und Beine haben das Gewicht ganzer Felsblöcke. Ihre Füße beginnen zu kribbeln. Gestein kribbeln nicht, nur deshalb weiß sie, es sind ihre Füße. Sie hält die Luft an und schaut mit übergroßen Augen zu Martin. Er grinst übers ganze Gesicht. „Wenn du so sitzen bleiben willst, hole ich die Kamera, damit du sehen kannst, wie du aussiehst, wenn du nicht glaubst, was du hörst. Du hörst richtig A, also komm, mach mich froh“.
Sie spürt frische Röte in ihr Gesicht schießen, legt die Hände mit viel Kraft wieder davor und legt sich langsam, nur gut, sie hat trainierte Bauchmuskeln, auf den Rücken. Sie weiß nicht mit den Füssen wohin und wagt nicht, sie in die Höhe zu heben. Wenigstens gut aussehen will sie in dieser unbeschreiblichen Lage. Sie tut, wie wenn der Tisch länger wäre, und hält sie waagerecht ausgestreckt in der Luft. Ihre Bauchmuskeln halten das eine Weile aus. Anna liegt, einem Brett ähnlich, auf dem Esstisch, hat die Beine etwas gespreizt und spürt ein leichtes Ziehen in den Oberschenkeln.
‚Ich muss unbedingt mehr Sport machen’, der wohl unsinnigste Gedanken für diesen Moment schießt ihr durch den Kopf. Gleichzeitig vermutet sie, in dieser Position wie eine Schubkarre auszusehen. Ihr Eindruck ist nicht falsch. Sie hört Martins Stimme:
„Du erinnerst mich an einen trocken übenden Rückenschwimmer. Hey A, werd` locker, es geht um Freude, nicht um Sport.“
„Ja, ja“, stammelt sie und wünscht sich ans andere Ende der Welt. Gleichwohl ist es aufregend und spannend, gegen die eigene Scham anzukämpfen. Anna lässt die Beine fallen, die nun, wie übrig geblieben, vom Tisch herunterhängen. Dann fasst sie die Tischkante, schiebt sich nach hinten, stellt die Füße jeweils recht und links am äußersten Rand auf, hebt ihren Rock … und weiß nicht weiter. Himmel, kommt sie sich dämlich vor. Sie hört sein Räuspern:
„Ehmmm, ehmmm, bisher ist es wirklich wie bei der ARD. Dort muss ich zwar Gebühren zahlen, um in der ersten Reihe zu sitzen, aber gezeigt wird mir auch nichts Aufregendes.“ Diese Bemerkung ist hart. Sie soll lustig klingen, ist es aber nur für jemanden, der nicht verloren auf einem Tisch herumliegt. Anna schämt sich. Sie schämt sich grenzenlos. Ihre Hände fassen nach dem Rand der Tischplatte als müsse sie sich daran an einen anderen Ort befördern.
Sie hat sich in den Monaten des allein Lebens oft selbst befriedigt und nur selten im Bett. Sich vorzustellen, es schaue ihr jemand dabei zu, kam ihr nie in den Sinn. „A, komm, mach es dir. Lass es mich sehen. Du wirst erstaunt sein. Es ist toll. Komm, tu es für mich“. Er flüstert. Er flüstert auf eine Weise, die sie anzieht, beruhigt, ihr Sicherheit gibt. Sie hört ihn aufstehen und kneift die Augen fest zu.
Martin fasst Annas Hand, legt sie zwischen ihre Oberschenkel und führt sie einen Moment. „Ich bin hier“, flüstert er beschwörend. „Ich sitze in der ersten Reihe“. Die Geräusche lassen ahnen, er schiebt sich den Sessel zurecht und setzt sich wieder. Annas Hand bewegt sich zaghaft über den Venushügel.
‚Wie machen das die Frauen in der blöden Werbung für die 0190er Nummern nachts im Fernsehen?’ Nein. So soll sie nicht aussehen, mit komischem Blick, künstlich aufgerissenem Mund einen Seufzer von sich geben und dabei eigenartig über die Scham streicheln. Das ist hoffnungslos unerotisch. Was also soll sie machen? Sie öffnet die Augen und ist über die Zimmerdecke erstaunt. So konzentriert hat sie die nie betrachtet. An einigen Stellen sind die Tapetenbahnen nicht exakt geklebt. Sie bedauert sich in ihrer Verlorenheit.
„Komm, lass es mich sehen, zeig mir, wie du bist …“, Martins Stimme hüllt sie ein. Sie lässt es zu. Von seiner Vorfreude gelockt taucht Anna schüchtern in seine gespannte Erwartung und ihre Lust ein. Ihre Hände werden mutiger. Bald bildet sie sich ein, sie würden zu seinen Händen. Das ist schön. Und so greifen ihre Fingerspitzen zaghaft, später voll Verlangen auf und in sie. Wie eine Welle holt die Lust sie ein.
Sie windet sich in Begierde, ruft nach Martin und er ruft zurück, er sei da und berührt sie mit seinen Blicken. Ihre Hände werden zu seinen Gedanken, seinen Wünschen, seinen Fantasien. Sie weiß noch nicht, wie froh sie in einigen Jahren sein wird, keinen einzigen Wunsch, keine einzige Freude, keine einzige Fantasie verschoben oder gar verweigert zu haben.
Anna weiß gegenwärtig gar nichts. Sie lebt in einer Welt der Farben und Musik, die in ihr für diesen Mann zum Leben erwachen. Träume werden an die Wirklichkeit abgegeben. Neue wachsen nach. Sie ist frei, und jedes Schamgefühl fällt von ihr ab. Der Tisch wird zu klein. Sie rutscht zu Boden und windet sich auf den Teppich, ohne zu bemerken, wie hart der Sturz war. Schweiß rinnt von ihrem Gesicht. Oder sind es Tränen? Keiner kann und will das unterscheiden.
Langsam, ganz langsam, wie nach einer langen Reise, öffnet Anna die Augen und wundert sich, den Tisch von unten zu sehen. Sie hebt den Kopf.
„Wie komme ich hierher?“ Da steht Martin auf, legt sich zu ihr, schiebt einen Arm unter ihren Kopf und wickelt sie in den anderen ein.
„Du bist geflogen, im wahrsten Sinne des Wortes. Bevor ich reagieren konnte, lagst du da. Du hast es nicht bemerkt. Also saß ich ab dem Moment erste Reihe Balkon.“
Sie lachen. Anna erschöpft, erstaunt, beinahe fassungslos. Sie ist dankbar. Er hat sie aus seinen Wünschen nicht weggelassen, nun darf sie die Leichtigkeit des augenblicklichen Glücks fühlen.
„Es ist viel schöner, wenn es für dich ist“, flüstert sie und er:
„Ich danke dir. Du bist wunderbar, wenn es für mich ist“. Eine tiefe Logik ist in den Aussagen nicht. Beide wissen, was gemeint ist. Seine Arme fassen sie für einen Atemzug fester. Wortloses Einssein entbindet von jeder Beweiskraft.
Nach einer Weile hebt er ihren Kopf mit seinem Arm an und sagt:
„Wir wollten spazieren gehen, also lümmle hier nicht rum“. Schwerfällig, aber hell lachend, lässt sie sich von ihm aufheben. Nach einer schnellen Dusche zieht sich Anna um. Es wird bereits dunkel.
Martin bummelt mit seiner A durch die Straßen. Er legt den Arm auf ihre Schultern. Vor einem Restaurant bleibt er stehen, dreht sie in Richtung Eingangstür. Sie trinken einige Gläser Wein, keiner zählt sie.
Spät in der Nacht, sie sind die letzten Gäste, haben geredet und gelacht, sich unter dem Tisch angefasst und kleine Schweinereien, wie er es nennt, gemacht, zahlt er und sagt: „Wir gehen.“ Auf dem Nachhauseweg stützt er sich auf Annas Schulter. Er ist müde.
Anna macht gerade Anstalten, das Licht zu löschen, da behauptet er, nicht schlafen zu können. Er wolle den besten Blowjob der Welt von ihr. Sie vergisst jede Vorsicht, bis er ruft, sie solle ihn nicht umbringen, sondern nur bis zur völligen Erschöpfung erfreuen. Irgendwann sagt er leise, fast unhörbar:
„Himmel, bist du gefährlich gut.“
Am Morgen erwacht sie, weil er sich bewegt. Sie ist zwischen seinen Beinen eingeschlafen, wahrscheinlich nicht mit leerem Mund.
Jetzt ist er es, der erstaunt fragt, wie er hierher gekommen sei und vor allen, wieso sie nicht in ihrem Bett liege. Sie lächelt:
„Du bist geflogen und diesmal schickte ich dich auf die Reise.“ Beim Frühstück stellt er fest, das beste Programm aus der ersten Reihe sehe er nicht im Fernsehen und sie seien die wohl weltbesten Piloten, die er kenne.

( … )

Dieser Beitrag wurde unter Leseproben, Veröffentlichungen abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.