Verlage: Heiligenschein oder Gallenstein, lieber Autor, es ist Deine Entscheidung

Im Blogpost bei SteglitzMind

schreiben ist schreiben ist schreiben

schreiben ist schreiben ist schreiben

„Statt Schriftsteller ist man ‚Schreib-Maschine‘.“ Zwei Autoren berichten

… beschreiben zwei Autorinnen anonym, wie sie es geschafft haben, jene magische Grenze zur Verlagsautorenschaft zu überschreiten. Ernüchterung, Enttäuschung und Entsetzen allerdings in der Schilderung, wie es ihnen hernach ergangen ist und ergeht. Die darauf folgenden Kommentare bieten unterschiedliche Impressionen der Eindrücke und Ausblicke.

In den letzten Tagen ist die Ausführung einer weiteren Autorin hinzugekommen. Sie erzählt unter dem Nick „Schreibsklavin“, auf dem ersten Blick dramatisch anmutend, von ihrem jahrzehntelangen schriftstellerischen Werdegang. Zehn Jahre, sagt sie, habe sie gebraucht, um gut schreiben zu lernen. Weitere zehn Jahre sei sie mit Bewerbungen bei und Absagen von Verlagen beschäftigt gewesen.
Das Ergebnis ist im „agentendefinierten“ und selbstbestätigten Synonym „Schreibsklavin“ auf den Punkt gebracht.

Punkt?

Wir haben alle nur ein Leben, alles andere ist reine Spekulation; und wenn es 20 Jahre (selbst ein Tag kann am Ende des Lebens „fehlen“) kostet, um an _diesen Punkt_ zu kommen, ihn erkennen zu müssen,
und mit Verlaub, auch noch anonym zu sprechen genötigt sein, stimmt was in der „SchreiberWelt“ nicht.

Ich erinnere an die Quintessenz meines Gastbeitrages auf SteglitzMind

Unter den Aspekten, die Erfahrungsberichte aller Kommentare und Beiträge aus dem oben genannten Blogpost und vielfältiger anderer Netzlektüren zusammenfügt, formt sich die Frage: Warum heutzutage das Allerheiligste ein großer, angeblich namhafter Verlag sein sollte. Der Prozentsatz der nicht zusammengeschusterten und tatsächlich lektorierten A+ und A – Bücher ist wahrscheinlich sogar niedriger als der jener Schriftsteller, die großen Geist in handwerklicher Qualität zu Papier bringen und selbst vermarkten. Ich vermute, der wahre Unterschied liegt einzig in fehlenden Kubikmetern der diversen bookstores dieser Welt. Und ein kleiner Verlag- der nichts anderes kann als – was ich sowieso selbst machen muss, wozu ist der gut?

Entspräche ein monatliches Durchschnittseinkommen eines Normalverdieners tatsächlich dem Jahressalär eines Verlagsautors, lachte sich jeder Self Publisher Löcher in den Bauch, sobald er auf sein Konto schaut.

Die Begründung der Verlagsautoren, vom Schreiben nicht mehr die Finger lassen zu können, scheint mir graduell zu dürftig. Zum Schreiben bedarf es nun wirklich keinen Verlag.

Schreiben ist schreiben ist schreiben.
Mehr nicht.
Kopf, Hände, Stift, Papier.

Schreib´s notfalls mit Kreide an die Wand,
mit Finger in den Sand,
mit Spucke auf meinen Bauch
und wenn Du´s nur flüsterst,
merk ich`s mir auch.

(ACR)

Es bedarf nicht mal einen Verlag zum Veröffentlichen.
Zum Gelesenwerden schon überhaupt nicht.

Verlage sind nur Tüten, in die gekippt wird, was zielmarktführend und marktzielführend in ihrem Auftrag herbeigeschrieben worden ist. Wieso kommen mir jetzt alte Bilder in den Sinn, die zeigen, wie früher im Knast Tüten geklebt worden sind?
Die Beschriftung ist schon vorhanden, bevor der Häftling den Leim auf die Kanten streicht …
Na, bleibe ich mal lieber beim Buch. Sofern ein Verlag Titel, Klappentext und Cover bereits festlegt, bevor der Verlagsautor auch nur eine Zeile zu Papier gebracht hat, welche Freiheit bleibt dann der Kreativität des Schreibens?

Bestimmt der Verlag nicht nur die Geschichte, sondern auch deren Verlauf, die Figuren, die geforderten Aktionen, sowie Seitenzahl und Abgabetermin, wird der Verlagsautor nur gebraucht, weil der Verlag als physisches Ganzes nicht selbst schreiben kann. Somit ist ein Schriftsteller nicht mal ein Autor, sondern ein Schriftenhersteller (für einen Verlag).

Auf diese Weise erklärt sich sein jämmerliches Einkommen. Es darf den ökonomischen Aspekt der Leasingkosten einer Schreibmaschine nicht überschreiten.

Und nun? Soll wieder das Totschlagargument des professionellen Lektorats und der professionellen Korrektur als Bewertungsmaßstab der Schriften hervorgezogen werden? Spätestens seit Verlagsautoren aus dem Nähkästchen plaudern, funktioniert sowas nicht mehr. Sofern beispielsweise ein Schriftenhersteller fremdbestimmt unter Zeitnot etwas zusammenschustert, was er am Ende nicht mal als sein eigenes – was auch immer- erkennen würde, erinnert das Ganze an die Verlogenheit der übergewichtigen Hausfrau, die am Telefon behauptet, eine 19 jährige schlanke Blondine zu sein, und dabei die Fußballsocken ihres Mannes stopft.

Selbst bei immer noch wohlwollender Betrachtung schrammt inzwischen die Aufgeblasenheit derer, die explizit den Self Publishern und Autoren von Druckkostenverlagen in Bausch und Bogen mangelndes Lektorat, fehlerhafte Schreibweisen und unbedarfte „Erzählkunst“ anlasten, haarscharf an von Ignoranz zeugender Unverschämtheit vorbei. Habe ich doch in der Tat in der letzten Zeit etliche Leseproben bei Amazon durchgeblättert…

Es brauchte Container, den endlosen Grammatik-, Ausdrucks- Rechtschreibmüll zu entsorgen, der unter Verlagsgütesiegel verzapft worden ist. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Sätze, Kapitel, Bücher mit dem unschuldigen Wörtchen „als“ beginnen.
Jeder Lektor, der zumindest bis zum ersten Frühstück seiner Arbeit Ehre geben wollte, nennt solche Sätze „Al-s- heimer- Sätze“. Ein Buch damit zu beginnen, ist handwerklich _nach meinem Empfinden_ ausgeschlossen (gewesen). Sätze mit Komma- dass, Komma- weil, Komma –wenn, stolpern sich gegenseitig bis ins Groteske treibend durch die Texte, die der Wortwiederholung frönen und auf einen sehr geringen Wortschatz der flüchtig genutzten Rechtschreibprogramme schließen lassen.

Wie oft muss –man- herhalten.
Eine geschlechtslose allgemeine Person. Jedem bekannt und ununterbrochen zum Pausenfüllen, Lückenbüßen, Verantwortlichen hergenommen, hat es zwar noch niemand persönlich kennengelernt, aber jeder weiß, was es denkt, tut, kann, macht, sagt, will. Unentwegt wird es aus der Reserve gezogen und ins Getümmel des Bedeutungslosen geworfen.

Stichwort bedeutungslos – angelangt bei Marketingprogrammen der Verlage. Es gibt viele Fachleute, die darüber sofort einen Aufsatz schreiben könnten. Ich nicht. Will ich auch nicht. Entscheidend ist ausschließlich, was kann ein Verlag, was davon will er, was macht er tatsächlich und was delegiert er an seine Verlagsautoren?

Die Fragestellung ist offenkundig nicht korrekt. Der Unterschied beginnt bereits zwischen A+ und A Verlagsautoren und endet beim Rest. Bildlich gesehen wird hier also der Aufwand unterschieden, den Verlage für Schreibmaschinen oder Griffel auf Schiefertafel aufwenden wollen.
Zugegeben und allseits bekannt, Marketing ist teuer. Irgendwer hat mal gesagt, gerade das Unterlassene sei am Teuersten, da es dem Erfolg keine Chance gäbe. Das könnte begründen, warum die Biografie eines dschungelerfahrenen Bekannten der Tante einer beinahe Bauersfrau gewordenen Cousine eines nicht unbekannten Frisörs promotet wird. Gleichzeitig erklärt es, warum handwerklich geschickte Geschichtenerzähler ihre verlagsgütegesiegelten Bücher bei Familienfeiern dem Frisör ihrer Tante schenken, der nie Bauersfrau werden wollte und vom Dschungel nichts Näheres weiß.

Bei allem ist die subjektive Einstellung zum „Prädikat Verlagsautor“ zugleich Basis und Überbau. An der Struktur der Verlage kann sich meiner Meinung nach nichts Wesentliches ändern. Sind sie nicht ökonomisch, verschwinden sie vom Markt- immerhin halten einzelne Menschen so ein Konstrukt zusammen, die am Monatsbeginn, ebenso wie ihre Autoren hoffen, finanziell „hinzukommen.“

Der Schlüssel zur Zukunft liegt im Selbstverständnis der Schriftsteller und aller kreativ Schaffenden.

Fortsetzung hier —->

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(ACR)

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