Vieles wie die Meisten – die Meisten wie viele …

‚Stell Dir vor, Du öffnest eine x-beliebige Tür und alle sind schon da. Egal welche Tür und um welche Zeit – immer dieselben. Wo immer Du hingehst, wann auch immer Du Dich wohin setzt, sofort siehst Du alle, die Du sonst auch siehst.‘

Immer Traude und Franz, immer Gustav mit seiner Gans, immer Trude mit ihrer Tute, immer Peter, der Schwerenöter, immer Klärchen mit ihren Märchen, immer Sabinchen mit ihrem Vitrinchen, immer Clotilde, die ganz Wilde, immer Humbuge, der ganz

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besonders Kluge, immer Herr Damm mit seinem Diagramm, immer der aus der Logistik mit seiner Statistik, immer die mit dem steifen Knie mit ihrer Strategie, immer die mit der Wasserwelle mit ihrer Umsatzzahleneinbruchsdelle, immer der Suchmalschön mit seinen Coverideen, immer der Binichschlau mit seinem Lektorenblau, immer die vielen mit den Rumsitzkissen, die alles übers Ranking wissen …. Immer dieselben und immer die Gleichen haben alle Antworten, mischen die Würfel und stellen die Weichen.

Zumindest glauben sie das.

Woher wissen die, die alles wissen und was sie alles als Wissen an noch nicht alles Wissende verkaufen, alles? Wenn alle genau das machen, was die wissen, die alles wissen und als nachmachbares Wissen verkaufen, werden dann alle, die dadurch alles was andere wissen, selbst wissen, das als Wissen weiterverkaufen? Wer ist am Ende noch Wissenkäufer und wer nur Wissenwisser? Werden wir morgen alle alles wissen und – vor allem- alle das Gleiche machen? Bekommt dann der Markt, den keiner kennt, über den indes so viele sprechen, endlich das Gesicht, welches die, die alles wissen, vorhersagen?

***

Wieder so ein Morgen. Mein Postfach mit Werbung aller Art gefüllt. Wortlos natürlich- einfach so jeweils mindestens ein Link und fertig. Absenderchen- will sich keine Mühe machen, niemand persönlich ansprechen. Einfach ein Modul vorgefertigten Textes ans andere heften und reihum versenden. Das einfachste Mittel: der Chat. Dahinein passt alles. 2978 User werden aufgefordert, möglichst schnell das Gleiche zu tun, ohne zu fragen, ohne Hintergrundwissen, einfach hopp- mach mal (mit) und frage nicht lange rum.

Netz

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So, wie in Sozialen Netzwerken Kontakte geknüpft werden, werfen Menschen ihren Hunden nicht mal das Leckerli vor die Füße. Ach was. Auch das ganz normale Hundefutter wird liebevoller verteilt als die eigenen künstlerischen Werke. Hieße es nicht soziales Netzwerk, fiele es möglicherweise gar nicht auf. Oberflächliche Zueinander.

Netzwerk ist gut. Synergie. Sich gegenseitig ergänzen, gemeinsam denken, miteinander reden. Alles hilfreich. Sozial.

Jedoch zu eng geknüpft ist es ein festes Netz, nichts schlüpft mehr durch, einmal drin, kein

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Entrinnen, später Filz und niemand kann mehr drunter, niemand mehr raus? Keine freien Spielräume mehr?

Manchmal antworte ich auf solcherlei Post, leider keine Zeit zum Lesen, Anschauen, Anhören zu haben und bekomme in mehr als 90% dieser Fälle Antworten wie: „ must nich, klik reischt“ oder „klick einfach, jede Stimme zählt.“

Letztens habe ich die Aufforderung bekommen, aller drei Stunden für jemand zu „voten“ (warum darf heutzutage nicht mehr abgestimmt werden?), zusätzlich sollte ich das, (wahrscheinlich zur Umgehung der Bestimmungen) von unterschiedlichen Geräten aus erledigen, z.B. PC, tablet, IPat, Handy usw. Damit nicht genug. Daraufhin käme stets eine (Kontroll)Mail, darin ein Code, der hernach in die vorgegebene Zeile des Votingportals eingetragen werden müsse, damit die Stimme gelte. (Sind dazu nicht allerhand unterschiedliche Mailadressen notwendig?) Das sollte den ganzen Monat hindurch so gehen, damit die Dame auf den ersten Platz eines Sängerwettstreits käme. Oder verwechsle ich das jetzt mit einer der Gruppen, in denen ich mich überraschend finde und ab sofort die Mitverantwortung trage, den Mann, die Frau, das Buch, den Freund, den Feind oder was auch immer, zum Geburtstag zu gratulieren oder die Überraschung des 1. Platzes bei … ja was war der gleich noch ?… zu bescheren oder einfach nur- ohne jeden ersichtlichen – mich betreffenden- Grund mitzuvotenabzuvotenmitzupfeifenanzukreuzenzuunterschreibenzuzujubeln oder was nun noch und überhaupt???

Neuerdings gibt es in allerhand Gruppen gleich „an der Tür“ einen Hinweis. Nach dem Prinzip: Wenn es Dir nicht passt, hier zu sein, störe uns nicht, verlasse leise die Gesellschaft. Oben rechts findest Du ein Rad, drücke dort drauf, dann bist Du weg und wir haben unsere Ruhe. Verdirb uns aber vorher nicht die gute Laune mit Zwischenrufen.

Letztens bin ich nachts in eine Gruppe aufgenommen worden, in der es darum gegangen ist, jemanden zu mobben. Mal abgesehen davon, wie lange ich gebraucht habe, dahinter zu steigen, was los ist, habe ich ein paar Zeilen geschrieben, wie schlimm wirkt, was Menschen – Menschen antun. Bevor ich achtkantig rausgekickt worden bin, haben mir ein paar angedroht, sie wüssten wo ich wohne.

Zwangshinzugefügtes Mitglied in Gruppen mit anspruchsvoll literarischen Namen bin ich nahezu regelmäßig und fühle mich wie in einem Völkerballspiel. Haben wir in der Schule oft spielen müssen. In der DDR ein komisch anmutender Name- fällt mir gerade auf. Obwohl- die Spielregeln sprechen für sich … Da werfen die Spieler absichtlich mit großen, schweren Bällen nach anderen. Wer getroffen worden ist, muss das Spielfeld verlassen.
So auch hier: Wortlos, ohne jeden nachfolgenden Kommentar, ohne irgendwelche Hinweise oder wenigstens gelegentliche Fragen, werden da alle möglichen Links hineinkopiert, Eigenwerbung bis zum Eichstrich. Wie ein riesiger aufgeblähter Bauchladen mit passenden und unpassenden Unnützlichkeiten – Künstler schmeißen Künstler mit ihrer Kunst um. Sonst nichts. Guckst Du mein Bild, guck ich Dein Bild und guckst Du nicht, ist auch nicht schlimm. Geh‘ doch, wenn Dir nicht gefällt.

Selbst wenn solch ein Modell funktionierte und Künstler kauft/bewirbt/bewertet/empfiehlt/rezensiert anderer Künstler Künstlerkunst, ist dann die Zielgruppe wirklich durchdacht?
Kostenlose Werbung allemal, doch wofür- bei wem- wozu- mit welchem Ziel? Nach dem Ergebnis frage ich nicht, zumal niemand mehr produzieren, schaffen, denken, kreieren kann, wenn er sich nur mit dem Broterwerbszwang anderer beschäftigen sollte. Liest Du mein Buch – lese ich Dein Buch? Kaufst Du mein Bild, kauf ich Deine Statue?

Macht das den vielbesprochenen und vorgesagten Umbau des Marktes aus?

Symbolisch tropft Vampirblut beinahe täglich aus meinem Postfach. Ich soll diese Bücher mit -gefällt mir- durchklicken und bestenfalls kostenlos herunterladen, damit ich Rezensionen schreiben kann. Horrorbuchcover ebenso, Liebesromane auch, Krimis zusätzlich. Bilder werde ich aufgefordert zu klicken. Musik.

Zu Veranstaltungen zwischen 500 und 1500 km Entfernung werde ich eingeladen, möglichst heute Abend noch. Thema wahlweise vollkommen an meinen Interessen vorbei, z.B. Weingüterbesichtigungen, Brot bestimmter Bäckern kaufen, Lesungen und Galerien und Theater und Konzerte besuchen
und, ganz wichtig, Stillen soll ich lernen, als besondere Bindung zwischen Mutter und Kind.

„Netzwerke“ (Network- also dieser englische Begriff für- mach mit, damit ich viel Umsatz habe) laden zu allem (Un)Möglichen ein.

Im Umkehreffekt werde auch ich „beschenkt“. Kaum habe ich einen Beitrag, der mindestens 15 Minuten Lesezeit bedarf, hochgeladen, habe ich bereits 3 -Gefällt mir-. Innerhalb 30 Sekunden, sozusagen gerade frisch aus der Röhre, noch ganz heiß, niemals gelesen, aber gefällt. Ich könnte demnach (theoretisch) den grausamen Tod eines Menschen beklagen und bekäme im Vorbeigehen einen Abklatscher. „Gefällt mir.“ „Giffmiefeif“. Gleichbedeutend wie das verlogene: „Na, wie geht es Dir?“, weil das frühere „Guten Tag“ offensichtlich altmodisch geworden ist. Ich bin schon froh, nicht „Hey Alder, iss`n los!“ begrüßt zu werden. Wobei ich im Ungarischen nicht so fit bin, kann also sein …
Sobald mir auffällt, es wird ein „Gefällt mir“ vor meine Füße geworfen, frage ich nach. Die Antworten kann ich ungefähr so zusammenfassen:

– Ja, ich lese schnell.
– Sieht gut aus, klick ich.
– Sei froh, dass jemand klickt.
– Dann eben nicht. Andere freuen sich. Klick ich dort.
– Keine Antwort, aber blockieren.

Machen die Anonymität hemmungslos und die Masse an Möglichkeiten wahllos? Es ist wie Kniffel spielen und alle Würfel zeigen nur Sechsen. Langweilig. (Besonders, wenn die Würfel rund sind.)

(ACR)
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