Was taugt der Mensch. Oder: Was ist der Wert wert …

Von vorn?     ——> So hat´s angefangen

Das wird kein Kochbuch!

Das wird kein Kochbuch!

Selbstverständnis – ist das Ergebnis aufrichtiger Arbeit mit mir (selbst). Bevor ich mich (selber) verstehe und, jedem Sturm trotzend, zu mir halte, muss ich mich mit mir auseinandergesetzt haben, ernsthaft, ehrlich, ohne Skrupel. Das ist einzig und allein eine Sache zwischen mir und mir.

Der Vorteil: Es geschieht im geschütztesten Raum meines Lebens, in mir, mit mir, wegen mir, für mich, und es hört mir, ausser mir, niemand zu. Kein Mensch erfährt, was ich mir zu sagen habe. In aller Hochachtung meiner Selbst packe ich mich, so ich es für nötig erachte, sogar am Kragen, drücke mir den Kopf unter die Klospülung und lasse mich frisches Wasser trinken, sofern ich es vorher aus kristall´nen Gläsern verweigert habe.

Das sollte sich mal jemand anders mit mir erlauben wollen! Bereits für 0,10% dessen, was ich mir selbst zumute, würde ich jeden anderen, gleich welchen Standes, vor die Tür meines Lebens verwiesen haben.

Aber Hoppla!

Somit, welcher philosophische oder praktische Ansatz für Selbstverständnis auch hervorgeholt werden soll – es bedeutet immer zuerst: Meine Loyalität, mir selbst gegenüber. Soll heißen: Mit mir zusammen bin ich schon zwei und mehr braucht´s für mein Selbstverständnis nicht.

Besonders, ich behaupte sogar, nur ab dieser Phase ist das ideelle Zusammenleben mit anderen Selbstverständnissen (Menschen) interessant und fruchtbar. Treffen also Individuen aufeinander, die sich (jedes für sich) ihrer selbst sicher sind, sie sich nicht mit anderen vergleichen, sondern selbst vervollkommnenwollen, ist zwar interessant, welche Rückmeldung sie von anderen bekommen, aber nicht selbstverständniswichtig.

»Was Du von mir denkst, ist Deine Sache. Denken wir voneinander, was uns dazu bringt, uns füreinander zu interessieren, ist es spannend, klasse und macht neu —> gierig.«

Punkt.

Alles andere wäre zwanghaftes aneinanderkleben von zeitraubenden Unnützlichkeiten.

Ist das Selbstverständnis des Menschen die Berufung zu kreativer Tätigkeit, hat er, auf den ersten Blick, unglaublich breit gefächerte Möglichkeiten. Zeichner, Tapezierer, Tänzer, Stuckateur, Schriftsteller, Schauspieler, Opernsänger, Maler, Koch, Konditor, Komponist, Grafiker, Friseur, Bildhauer, Architekt. (Nicht vollständig, absichtlich rückwärts alphabetisch und nicht gendertechnisch – politisch korrekt– aber
selbst —–> verständlich zusammengetragen.)

Nun könnte die Teilüberschrift heißen: Vom kleinen Unterschied.

Beispielsweise beginnt nämlich die Kreativität des Friseurs beim Zelebrieren der Haarkunst. Er braucht Kamm, Bürste, statt Lockenwickel reicht feuchtes Papier, anstelle Fön wird luftgetrocknet. Vollkommen unabhängig von irgendeinem, an seiner Leistung interessierten Menschen, kann an Probeköpfen von Wasserwelle bis Barockfrisur, von Zopfgebilden bis Hochsteckbauten alles kreiert werden.

Die Höhepunkte seiner Schaffensperioden sind wahrscheinlich Wettbewerbe. Er kann auch nur Fotos machen und sie auf seinem Blog veröffentlichen oder unter seinem Kopfkissen stapeln. Und nur, wenn er zur richtigen Zeit am richtigen Ort dem richtigen Gremium die richtige Frisur präsentiert, und ihm das mehrmals hintereinander gelingen sollte, wird er möglicherweise mit der dadurch erlangbaren Berühmtheit, Trendsetter; und ein paar Jahren gefeiert wie ein Superstar. Der Wermutstropfen? Das Ganze kostet Unsummen und bei aller Selbstverwirklichung gibt´s nichts auf die Stulle.

Der Friseur, der sich das nicht leisten kann oder will, muss neben dem ganzen Gedöns um Kreationen und Präsentationen auch etwas für den Magen tun und fleißig Kunden bedienen. Dazu sollte er gut sein, sonst bleibt sein Laden leer.

Nun gibt es aber auch Friseure, die einfach nicht den Fuß in die Tür der grossen Kreationen bekommen haben und den Traum vom Beruf nicht aufgeben wollen. Sie sind richtig gute Handwerker, leben davon, die Haartrachten des umliegenden Wohnviertels zu gestalten und steuern dies zusätzlich über den Preis. Kleine Locken – kleiner Preis. Wermutstropfen: Die Klientel mit den größeren Geldbörsen suchen meist nach dem oben genannten Salon. Nur ganz besonders gute Leistungen locken in solchen Fällen tatsächlich Kunden, die gerne auch 200 km fahren, um einmal den Kopf von diesem Meister gewaschen zu bekommen. Und? Damit stiege er auf zum Elitesalon?

Und es gibt Friseure, deren handwerkliche Kreation einzig darin bestehen (darf/sollte/muss), in 60 Minuten 15 Haarschnitte absolviert zu haben, sonst werden sie ausgetauscht. Sinnbildlich stehen vor solchen Türen nämlich Schlangen von Nachrückfriseuren.

Gleiches gilt z.B. für Köche, die von beruf(ung)swegen dann entweder viele Freunde haben (müssten) oder unheimlich fett würden. Es ist übrigens bekannt, viele exzellente Köche finden nur ihres Aussehens wegen, den Weg in die grosse Gastronomie nicht.

Es gilt für Musiker und Tänzer, deren Plätze zwischen grossen Bühnen und Fußgängerzonen unterteilt sind. Die Maler dividieren sich in Steher vor Staffelei oder Knieer auf Asphaltstraßen. Bildhauer arbeiten mit Marmor, Stahl, Speckstein oder kratzen den Lehm aus ihrem Garten.

So lange und solange jeder im Selbstverständnis lebt: Sein Beruf, seine Entscheidung, seine Möglichkeiten, hat er aus sich heraus eigene Chancen zur Vervollkommnung und Zufriedenheit. Jeder tut was er muss, für den Fall es ihn unglücklich machte, überhörte er den inneren Ruf. Zugegeben: Es ist selten allein eine Frage des Könnens, meist auch die der Anfangsmöglichkeiten.

Der Sohn des berühmten Coiffeurs, die Tochter des bekannten Sängers, der Neffe des namhaften Schauspielers, der Enkel des grandiosen Architekten, sie alle kennen zumindest schon mal eine Tür, die nicht auf die Strasse führt. Der Spruch, nichts täte so weh, wie mangelndes Vitamin B (ich mag Sprüche nicht!) lässt zumindest vermuten, bereits erkundete Labyrinthe erlaubten einen direkten Durchgang. Das sind unerheblich wenige in Relation zu den Gesamtberufenen.

Problematisch wird das Ganze erst durch Vergleich. Dabei wächst die Knacknuss dort am dicksten, wo der Maßstab verschoben ist.

D.E.N.N.
Wer ständig von unten nach oben schaut, kriegt einen steifen Hals. Das mag noch aushaltbar sein und auch motivierend. Ekelhaft sind nur die Speicheltropfen, die von denen kommen, die hochmütig lachend von oben auf die da unten herabschauen.

Insgesamt: Die Analogie zur schreibenden Zunft liegt auf der Hand.

Ist es wirklich eine Überraschung, nun denjenigen zu begegnen, die gerade noch meinten, auf hohem Ross zu schreiben, aber einem längst toten Pferd die Bleistifte spitzten? Damit ist nicht explizit der gemeint, der aus der Schule der Verlagsautoren plaudert. Solcherlei Berichte hat es schon oft gegeben und kluge Verlage verpassen ihren Autoren auch den Maulkorb für anonyme Berichte.

Mal nebenbei: Ich setze den Fall, ich wäre ein solcher Verlag. (Unmöglich!) Den Plauderern spränge ich mit Anlauf auf ihre Lieblingsfüßchen. Ungeachtet der ethisch- moralischen Einstellung, gilt hier Vertragsrecht. Etwas unterschreiben, was menschenverachtend und kreativtötend ist, entlastet nicht aus der Verantwortung für sich selbst. Entweder Verlagsautoren-Selbstverständnis oder „Salon wechseln“.

Der eigene Bezug zum Selbstverständnis scheint aus dem Gleichgewicht zu rutschen, sobald sich die geträumten blütenblätterbetupften Pfade als Trimm-dich-Wege entpuppen. Statt Lorbeerkranz und Kontobeifall gibt´s Rankinguntergrenzen und Organisationsprobleme. Ist der unruhige Halbschlaf schon nachmitternächtlich beendet, streichen die lang und breit veröffentlichten Umsatz- und Einkommenszahlen derer, die zwar keinen toten Gaul reiten, aber meist nur einen hinkenden Esel am Zaum führen, Salz in die Wunde. Dann reicht es nicht mehr zum klaren Überblick, wer innerhalb dreier Monate mal 15.000 Euro erschrieben hat, ist nicht reich geworden, sondern steht unter gewaltigem Druck. Was einmal möglich war, soll angeblich immer wieder erreichbar sein. Solcherlei Spruchnachrennereien sorgen eher für technische Verweigerung des Browsers, die Verkaufszahlen im Herzschlagtakt abzurufen, denn für Lust am Schreiben.

Nachmachen (wollen) was andere (angeblich) richtig machen, steuert, sofern es wirklich dahin führen sollte, meist zur Erkenntnis, die haben recht bald sogar Wasserwelle und Barockfrisur, Zopfgebilde und Hochsteckbauten in 15 Minuten s c h n e i d e n müssen.

Dabei ist es gleichgültig, in welcher Abhängigkeit wozu jemand zu stehen meint. Es ist nie die Frage, Verlag oder Kohle und auch nicht Schreiben oder nicht schreiben.

Selbstverständnis in Schieflage. Wer soll da gerade stehen?

Ein verdrehtes Rückgrat ähnelt einer Pirouette, es tanzt indes damit niemand gut.

Also zurück zum Ausgangspunkt. Selbstverständnis – ist das Ergebnis aufrichtiger Arbeit mit sich selbst. Womit wir tatsächlich wieder am Anfang (dieses Blogpost) wären …

Fortsetzung später …

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