Gespräche mit ACR

manches brennt ein  Leben lang- aber brennt nie ab ... „Die Gewalt lebt davon, dass sie von Anständigen nicht für möglich gehalten wird.“ 

Jean-Paul Sartre

Aus dem Blogpost „Ein Herz für Kinder!? Oder: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch…“, entwickelte sich ein sehr persönlicher Austausch zwischen Gesine von Prittwitz und mir.

Gemeinsam haben wir entschieden, unsere Gespräche in Fortsetzungen öffentlich zu machen.

Gesine von Prittwitz unterhält sich mit mir über meine Erfahrungen als schwer misshandeltes Kind und Jugendliche, über die Folgen und wie wichtig es ist, dass Anständige erfahren, dass es so etwas doch gibt …
***
Update: Wir haben entschieden, den Gesprächen einen festen Platz zu geben: nämlich mit dem Blog

„Gespräche mit ACR“

.

 Wassertropfen (63)

.

Inzwischen hat sich gezeigt —->

Was nie gesagt …

… ist immerdar verloren, weil`s ungesagt niemals gefunden wart. (ACR)

                                   ↓

Es gibt kein Wort was nicht gelebt werden könnte,
aber nicht für jedes Leben angemessene Worte. (ACR)

der mögliche Rahmen der Interviews kann gar nicht leisten, was das Thema verlangt, zumal hier keine bloße Vater-Mutter-Kind-Geschichte erzählt werden soll.

Ich bin 60 Jahre alt, gehöre also durchaus zu einer Generation, die schon “bald” nichts mehr sagen kann. Und so habe ich mich entschlossen, einem “Zeitraffer” in meinem Leben keinen Platz mehr zu geben.
Das Leben lebt sich nicht nach zeitrafferformel. Es lässt sich nicht in z = (interessantes Ereignis-)Bildanzahl; f = (Lebens-)Filmlänge (in s); r = (Aufmerksamkeits-)Bildrate; a = (Rede/Zuhör-)Aufnahmedauer (in s); i = Intervall (Reden/Zuhör Zeitrahmen) einteilen. Das Leben lebt sich nicht nach Formeln, es muss gelebt werden von Anfang bis Ende.

Es gibt kein Wort, was nicht gelebt werden könnte, aber nicht für jedes Leben gibt es angemessene Worte.

Was nie gesagt
wird nicht einmal vergessen,
weil´s ungesagt
in Raum und Zeit verschwimmt.

Was nie gesagt
wird nie in Wert und Sinn bemessen,
weil´s ungesagt
dem Leben Stimme nimmt.

(ACR)

.

Ab sofort werde ich hier schreiben, was gesagt werden muss, im Interview jedoch zu viel Raum und Zeit beanspruchen würde.

.

.

2 Antworten auf Gespräche mit ACR

  1. Julia sagt:

    Liebe Charlotte, oft erinnerst du mich an Tonio Kröger – der festen Glaubens ist, dass nur Leid (und nicht wenig davon) jene tiefgründige, „wahre“ Kunst zu erschaffen vermag, die andere treffend berührt. Ein schweres Leben sei nötig, um Menschen und Dinge zu erkennen bis auf ihre Substanz.

    Ich glaube, dass böse Biographien – und ganz besonders die Deinige – einen Zweck haben. Nicht etwa den Zweck sich selbst zu kasteien, mit ihr zu hadern! Aber auch nicht, das Vergangene ungenutzt weit von sich zu werfen wie faules Obst. Der Zweck ist mindestens gelernt zu haben die ganze Klaviatur intensivster Gefühle – der höchsten und der tiefsten – in Worte fassen zu können, weil sie untrennbarer Teil eigenen Wesens geworden sind. Und dieses in Worte gegossene Erleben jenen (Glücklichen?) zu schenken, die weder die höchsten noch die tiefsten Oktaven möglicher Empfindung erreicht haben. Die Ahnung der Abgründe läßt schaudern und ist den Anständigen hoffentlich Warnung genug!

    Wenn du schreibst, sehe ich Bilder. Die herzlose Halma-Bosheit hat mich ganz besonders berührt – gerade weil sie keinen Interpretationsspielraum läßt. Andere Artikel deiner Gespräche erreichen mich auch – aber weniger: sie sind deutlich mehr „meta“. Man erahnt die garstigen Bilder deiner Vergangenheit nur, sieht sie bestenfalls verschwommen. Möchtest du wirklich schonungslos ehrlich sein zu dir und verständlich für jene die dich lesen – braucht es konkrete Bilder, die das Brutale nicht relativieren. Ich glaube: Einmal am Kragen gepackt und entblößt, verliert jede Bosheit an Macht! Und du bist doch gestärkt und voll wertvoller Gaben des Verstehens der Kindheit entronnen?

    LG,

  2. A. Casseboom sagt:

    Kinder sind kleine Menschen, die irgendwann mal große, erwachsene Menschen sein werden, die auf andere Menschen treffen und eventuell auch mal selber Kinder bekommen.
    Das sollte allen Erwachsenen, aber insbesondere Eltern, immer bewusst sein.
    Mit unserem Handeln, Nicht-Handeln, Sagen, Denken und Fühlen beeinflussen wir die Entwicklung unserer Kinder. Egal wie überfordert wir als Eltern uns manchmal fühlen (aus welchen Gründen auch immer), wir haben die größte Verantwortung, die ein Mensch gegenüber einem anderem Menschen haben kann! Es ist keine Last, sondern eine Aufgabe, die wie jede Aufgabe mal leicht und mal schwerer fällt, aber niemals, NIEMALS dürfen wir die Verantwortung auf unsere Kinder übertragen! Mir ist das vor nicht allzu langer Zeit selber mehr als bewusst geworden. Auch wenn ich selber als Kind nie Opfer von (körperlicher) Gewalt geworden bin, sehe ich in Ihrer Geschichte die stete Erinnernung daran, dass ich als Mutter jeden Tag, in jedem Augenblick, Verantwortung für das „Wie werden meine Kinder einmal sein, wenn sie erwachsen sind?“ habe. Ich hoffe, dass Sie viele Erwachsene erreichen und dass der ein oder andere sein Handeln überdenkt. Danke für Ihren Mut!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>